Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

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28.03.2006



Übersicht "Meldung vom Tage" (März 2006)



24.03.

Ärzte im Ausstand - Zehntausende Mediziner protestieren in Berlin
Montgomery fordert "anständige Bezahlung" für erbrachte Leistung
ddp

Von Judith Csaba und Marion Schierz

Berlin (ddp). Rund 30 000 niedergelassene Ärzte aus ganz Deutschland haben am Freitag in Berlin gegen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen protestiert. Nach Veranstalterangaben war es die größte Ärztedemonstration der vergangenen Jahrzehnte. Viele Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie "Gesundheit erhalten, statt Mangel verwalten" und "Tatü Tata! Kein Arzt mehr da". Auch Patientenvertreter nahmen teil. Nach einer Kundgebung am Roten Rathaus zogen die Ärzte zum Brandenburger Tor, wo am Nachmittag die Abschlusskundgebung stattfand.

Die Mediziner wollten nicht länger "hochqualifizierte Leistungen zu Dumpingpreisen erbringen und auch nicht länger als Erfüllungsgehilfen staatlicher Rationierung missbraucht werden", sagte Bundesärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe. Auch die Patienten spürten, dass "die permanente Ausbeutung der ärztlichen Leistungsbereitschaft ihre Grenzen" habe. 81 Prozent der Deutschen hätten einer Umfrage zufolge Verständnis für die Ärzte-Proteste.

Das Arzneimittel-Rationierungsgesetz sei ein neuerlicher Versuch, "mit einem politischen Machwerk ärztliche Therapievielfalt zu zerstören". Wer für den Staat spare, solle "wie ein Vertreter mit Boni belohnt werden, wer die Medizin zur Grundlage seines ärztlichen Handels macht, dem drohen Strafzahlungen", sagte Hoppe.

Der Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, sagte: "Unsere Probleme sind hausgemacht, nicht die Globalisierung, nicht die Demographie und schon gar nicht der Fortschritt sind die Ursache." Handlungsunwillige, handlungsunfähige, nur auf den Wähler schielende Politiker seien der Kern des Problems. Die Politik bekomme die Pharmaindustrie "nicht in den Griff", und dafür sollten nun die Ärzte bezahlen, betonte er und fügte hinzu: "Wir haben Lust auf Arbeit, wir haben Lust auf Leistung, aber wir wollen anständig bezahlt werden."

Unter Buhrufen und Pfiffen betonte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, dass die kassenärztlichen Vereinigungen zu "Erfüllungsgehilfen" staatlicher Sparpolitik gemacht worden seien. Die Vertreterversammlung habe ein Referendum beschlossen, bei dem Ärzte befragt werden sollen, "was für eine KV sie wollen".

Nach Darstellung des Präsidenten der Freien Ärzteschaft, Martin Grauduszus, spielt die Politik Patienten und Ärzte gegeneinander aus. Er warnte davor, die Entschlossenheit der Mediziner zu unterschätzen. Seine Forderung, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zu entlassen, löste bei den Demonstranten breiten Beifall aus. Viele trugen Aufkleber mit der Aufschrift "Ulla, es reicht!". Die Politik habe das Verständnis für Zusammenhänge im Gesundheitssystem verloren, sagte Grauduszus.

Bundesweit blieben am Freitag viele Praxen geschlossen. Eine Notfallversorgung war nach Veranstalterangaben aber gewährleistet. Bereits am 18. Januar waren über 20 000 Ärzte in Berlin auf die Straße gegangen. Für den 19. Mai ist ein weiterer Protesttag geplant.



Die wichtigsten Interessenvertretungen der Ärzte in Deutschland

Von ddp-Korrespondent David Rollik

Berlin (ddp-bln). Bundesweit demonstrieren dieser Tage Tausende Krankenhausärzte und niedergelassene Mediziner für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen sowie gegen zu viel Bürokratie. Die Proteste werden von den verschiedenen Interessenvertretungen der Ärzte organisiert. Die Nachrichtenagentur ddp zeigt die wichtigsten Verbände auf:

Die BUNDESÄRZTEKAMMER ist die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung. Als Arbeitsgemeinschaft der 17 deutschen Ärztekammern vertritt sie die berufspolitischen Interessen der rund 395 000 Ärzte in Deutschland. Sie ist aus der 1947 gegründeten Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern hervorgegangen. Präsident ist der Pathologe Jörg-Dietrich Hoppe.
www.baek.de

Die KASSENÄRZTLICHE BUNDESVEREINIGUNG, 1955 als Rechtsnachfolgerin der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands gegründet, ist die politische Interessenvertretung der Kassenärzte auf Bundesebene. In ihr sind rund 145 000 Ärzte und Psychotherapeuten zusammengeschlossen. Vorsitzender ist der Arzt und Betriebswirt Andreas Köhler.
www.kbv.de

Der MARBURGER BUND wurde 1947 in Marburg gegründet. Mit rund 100 000 Mitgliedern ist er die größte Ärztevereinigung Europas und die gesundheits-, berufspolitische und gewerkschaftliche Interessenvertretung aller angestellten und beamteten Ärzte in Deutschland. Vorsitzender ist der Hamburger Radiologe Frank Ulrich Montgomery.
www.marburger-bund.de

Der HARTMANNBUND wurde 1900 als "Verband der Ärzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessenvertritt" gegründet. Er bemüht sich um die Wahrung der beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen seiner über 50 000 Mitglieder. Vorsitzender ist der Hannoveraner Allgemeinarzt Kuno Winn.
www.hartmannbund.de

Die GEMEINSCHAFT FACHÄRZTLICHER BERUFSVERBÄNDE ist die Dachorganisation der deutschen fachärztlichen Berufsverbände. Sie repräsentiert über 100 000 Mitglieder der 27 angeschlossenen Verbände. Präsident ist der Bremer Chirurg Jörg-Andreas Rüggeberg.
www.facharztverband.de

Der NAV-VIRCHOW-BUND ist nach eigenen Angaben der einzige freie ärztliche Verband, der ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärzte aller Fachgebiete vertritt. Er hat rund 20 000 Mitglieder. Bundesvorsitzender ist der Allgemeinmediziner Maximilian Zollner.
www.nav-virchowbund.de


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