Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 01.04.2004


Übersicht "Meldung vom Tage"

20.03.2004

Ärztekammerpräsident fordert

ddp

bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen


Von Sabine Meuter

Düsseldorf (ddp-nrw). Vor einer «unpersönlichen und geschäftsmäßigen» Medizin als Folge der Gesundheitsreform warnt der Präsident der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) und der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe. Die Reform fördere eine Konzentration der ärztlichen Versorgung in größere Zentren. Das könne die ganz persönliche Bindung des Patienten an seinen Arzt des Vertrauens beeinträchtigen, sagte Hoppe am Samstag vor der Delegiertenversammlung der rheinischen Ärztekammer in Düsseldorf.

Er sehe die Gefahr, dass «viele Menschen künftig in einer konzentrierten Versorgungslandschaft mit einem erschwerten Zugang zur Medizin werden kämpfen müssen», sagte Hoppe. So sei zu erwarten, dass zahlreiche niedergelassene Fachärzte künftig an Klinikstandorten und in den vom Gesetzgeber neu eingeführten Medizinischen Versorgungszentren arbeiten und nicht mehr wie bisher wohnortnah in der Facharztpraxis um die Ecke.

Hoppe forderte zugleich bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im Gesundheitswesen und eine radikale Entbürokratisierung des Arbeitsalltags. Nur so könne die Flucht aus den Gesundheitsberufen gestoppt werden. Dem Ärztekammerpräsidenten zufolge können an den Kliniken in NRW mindestens 850 Arztstellen und 650 Stellen in der Pflege nicht besetzt werden. «Es ist ein Alarmsignal, dass heute etwa die Hälfte des Medizinernachwuchses nicht mehr in die patientenbezogene ärztliche Tätigkeit strebt», betonte Hoppe.

Bundesweit gingen laut ÄkNo im Jahr 2001 nur 2900 von 3850 derjenigen, die ihre Medizinerausbildung bereits erfolgreich absolviert hatten, in die Patientenversorgung. Fast ein Viertel wendete sich anderen Berufsfeldern zu, etwa im Management, in der pharmazeutischen Industrie oder der medizinischen Informatik.

Eine Ursache für den Ärztemangel sieht Hoppe in der «überbordenden Bürokratisierung des Arztberufes». Er verlangte daher eine «radikale Entbürokratisierung des ärztlichen Arbeitsalltags in Klinik und Praxis». Alle rechtlichen Vorgaben, die Mediziner mit Verwaltungsaufgaben belasteten, gehörten auf den Prüfstand, forderte Hoppe. Mediziner und Pflegekräfte brauchten mehr Zeit für die Patienten. Der Ärztekammerpräsident bezeichnete es als irritierend, dass die NRW-Landesregierung den akuten Personalmangel im Gesundheitswesen bestreite.



Übersicht "Meldung vom Tage"

Hier können Sie unseren Newsletter mit Neuigkeiten aus Psychiatrie, Soziales und Selbsthilfe bestellen!


RUBRIK
Meldung vom Tage

nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite