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Von ddp-Korrespondent Klaus-Peter Voigt
Magdeburg (ddp-lsa). Die Bahnhofsmissionen in Sachsen-Anhalt verzeichnen seit über einem Jahr wachsenden Zulauf. In den drei Einrichtungen in Halle, Magdeburg und Dessau hat man sich auf diesen Trend eingestellt. "Das sind ganz eindeutig die Folgen von `Hartz IV`", sagt Adelheid Bornhold, Leiterin der ökumenisch getragenen Bahnhofsmission in der Landeshauptstadt.
Immer mehr Menschen, die Kontakt suchen, um eine Tasse Kaffee bitten oder sich einfach nur aufwärmen wollen, klopfen an die Türen. Koffertragen, die Begleitung von Rollstuhlfahrern und die Betreuung von Müttern mit Kind stehen offenbar nur noch an zweiter Stelle. Eine ähnliche Entwicklung gab es bereits Anfang der 90er Jahre mit den gesellschaftlichen Veränderungen nach der Wiedervereinigung.
Sozial Schwache und Obdachlose haben den Bahnhof wieder für sich entdeckt. Daran ändert auch nichts, dass es mittlerweile viele Suppenküchen und Obdachlosencafés gibt. In der Landeshauptstadt sind 60 Prozent der betreuten Gäste arbeitslos und leben von staatlicher Hilfe. Wurde noch 2004 rund 17 500 Menschen in Magdeburg geholfen, kletterte ihre Zahl im vergangenen Jahr auf 24 500.
"Diese Entwicklung macht uns Sorgen", sagt Bornhold. Dazu komme, dass verstärkt jüngere Leute zwischen 20 und 30 Jahren auf dem Bahnsteig 6 des Magdeburger Hauptbahnhofs auftauchen. Schon bei ihnen sei eine "permanente Selbstaufgabe" zu spüren, oftmals spiele Alkoholmissbrauch eine Rolle.
Unter den Mitarbeiter der Magdeburger Bahnhofsmission gibt es viele, die über ABM-Projekte oder Ein-Euro-Jobs beschäftigt sind. Die Frauen und Männer seien hoch motiviert, berichtet Bornhold. Nur über solche Unterstützung lässt sich das Angebot aufrechterhalten. Anders wären auf Dauer die täglichen Öffnungszeiten von 06.00 bis 22.00 Uhr kaum aufrechtzuerhalten. Spender unterstützen zudem mit Lebensmitteln.
In Dessau habe sich die Zahl der sozial Schwachen in den Räumen der Bahnhofsmission im vergangenen Jahr auf fast 4400 mehr als verdoppelt, berichtet Leiterin Christel Wenzkowski. Für sie ist klar, dass die Einführung von "Hartz IV" die Nöte vieler Besucher vergrößert hat.
Mit acht ehrenamtlichen Mitarbeitern wird in der Woche zwischen 09.00 und 19.00 Uhr die Betreuung gesichert. Samstags öffnet man nur für ein paar Stunden, am Sonntag bleiben die Türen geschlossen. Die knappen Mittel müssen effektiv eingesetzt werden. Wenzkowski lobt vor allem die zahlreichen Spender, die mit Lebensmitteln den Bedürftigen zur Seite stehen.
Auch in Halles ebenfalls ökumenischer Bahnhofsmission finden sich wieder mehr Bedürftige ein. Heike Müller, eine der beiden Leiterinnen, berichtet von einem Anstieg der Besucher ihrer Einrichtung von 10 000 auf 13 000. Der Zuwachs geht nach ihrer Einschätzung fast komplett auf das Konto von "Hartz IV".
Auch in Halle erhält die Bahnhofsmission Lebensmittel von örtlichen Kaufhallen, Bäckern und Fleischern. "Durch diese Unterstützung müssen wir unsere Angebote trotz höherer Nachfrage nicht einschränken", sagt Müller. Wochentags von 08.00 bis 21.00 Uhr und an den Wochenenden zwischen 08.00 und 15.00 Uhr werden sozial Schwache und Reisende von 28 Ehrenamtlichen betreut.
http://bahnhofsmission.de
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