|
|
Von Eva Dignös und Ulrike Steinbach
München (ddp). Das Praktikum kann die Tür öffnen zu einem interessanten Job. Aber es kann auch Wochen tödlicher Langeweile zwischen Kaffeemaschine und Kopierer bedeuten. Doch nicht immer ist die Firma schuld. Der Erfolg eines Praktikums hängt auch vom richtigen Auftreten ab. "Wer Initiative zeigt, selbstständig qualifizierte Aufgaben übernimmt und die neuen Kontakte auch nach dem Praktikum pflegt, profitiert am meisten", sagt Nadine Nöhmaier, Autorin des Buchs "PraktikumsKnigge".
Initiative zeigen könne man gleich im Vorstellungsgespräch, betont Steve Riedel, Geschäftsführer des Internetportals praktika.de. "Schon beim ersten Kennenlernen kann man Fragen stellen und damit Interesse zeigen", schlägt der Experte vor. Das bedeute aber, dass sich der Bewerber bereits intensiv mit dem Unternehmen beschäftigt hat. "Man sollte sich über die Webseite und in Fachzeitschriften darüber informieren, womit die Firma ihr Geld verdient", sagt Riedel.
Zu empfehlen sei auch ein Praktikumsvertrag. "In den USA ist so ein Vertrag mit Trainingsplan längst üblich", erläutert Riedel. Vor Beginn der Arbeit werde darin festgelegt, welche Inhalte das Praktikum umfasst. Der Praktikant könne sich dadurch bewusst machen, welche Ziele er erreichen will und was das Unternehmen von ihm erwartet.
Falls man am ersten Tag des Praktikums keinen Ansprechpartner vorfinde, der einem die Aufgaben erläutere und bei Fragen weiterhelfe, sollte man sich selbst jemanden suchen, unterstreicht Nadine Nöhmeier. "Ich würde Kollegen fragen, ob sie mich einweisen können." Damit könnten junge Leute gleich am Anfang punkten, vor allem, wenn sie zugleich deutlich machten: "Ich möchte selbstständig arbeiten und nicht am Rockzipfel hängen."
Doch nicht jede Art Arbeit macht wirklich Sinn. "Wer monatelang nur die Datenbank pflegen darf, verschwendet seine Zeit", sagt Nöhmaier. Denn es bringt kein neues Wissen - und das sei doch eigentlich der Sinn eines Praktikums. "Man sollte sich dann um eine anspruchsvollere Tätigkeit bemühen", rät die Buchautorin - ein Projekt beispielsweise, das man eigenverantwortlich betreuen darf. Wer allerdings merke, dass die Arbeit zu viel wird, sollte das auch sagen. "Sonst läuft man Gefahr, dass man nur noch Unerledigtes vor sich herschiebt."
Wer unzufrieden ist und mit seinen Kollegen und Vorgesetzten nicht auf einen Nenner kommt, könne das Praktikum nach einer gewissen Zeit auch vorzeitig beenden, erklärt Steve Riedel: "Zunächst sollte man allerdings das Gespräch suchen und die Probleme zur Sprache bringen." Auch ein abgebrochenes Praktikum könne eine wichtige Erfahrung sein. "Es zeigt, dass man für sich selbst Verantwortung übernimmt", betont Riedel.
Allerdings sollten Praktikanten ihre eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten auch realistisch einschätzen, heben die Praktikums-Experten hervor. "Von einem Schülerpraktikum kann man sicher nicht dasselbe erwarten, wie von einem einjährigen Praktikum, das auf ein Studium vorbereiten soll", sagt Waltraud Gräfen, Praktikumsbetreuerin von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Aachen. Nicht jeder Betrieb habe die Kapazitäten, um Neulinge gut zu betreuen. "Nicht alle Firmen sind auf die Vermittlung von Ausbildungsinhalten ausgerichtet", berichtet Gräfen.
Doch auch Schüler können die Praxiszeit sinnvoll nutzen. "Sie sollten die Ohren spitzen und Informationen sammeln", rät Steve Riedel. Generell sei neben der inhaltlichen Vermittlung der Umgang mit Kollegen, Teamwork und das Erkennen hierarchischer Strukturen von entscheidender Bedeutung für die berufliche Entwicklung. "Neben der Qualifikation entscheiden zu 50 Prozent zwischenmenschliche Aspekte über Erfolg oder Misserfolg", schätzt der Fachmann. Wer herausfinde, wie sich die Leute untereinander verhalten, bekomme Einblicke in wichtige innerbetriebliche Strukturen.
Und dann gibt es natürlich noch ein paar echte Benimm-Regeln, die man im Praktikum beachten sollte. "Man sollte seine Kollegen nicht gleich duzen", rät Nadine Nöhmaier. Und sich "etwas chicer anziehen als im Studium" - am besten orientiere man sich an der Kleiderordnung in der Abteilung. Beim Telefonieren und Surfen im Internet empfiehlt sie eine klare Trennung zwischen Job und Privatleben: "Privatgespräche führt man besser am eigenen Handy, und auch im Internet erledigt man lieber nichts Privates." Auch die Privatsphäre der Kollegen sollte man achten: "Wer zu viel tratscht, wird in der Firma kaum jemals über den Praktikantenstatus hinauskommen."
Geht das Praktikum zu Ende, sollte man ein Abschlussgespräch mit dem Vorgesetzten führen. Ganz wichtig für spätere Bewerbungen ist auch das Zeugnis, betont Nöhmaier. Praktikanten müsse zwar kein qualifiziertes Zeugnis mit detaillierter Leistungsbewertung ausgestellt werden, man sollte aber darum bitten, rät sie.
Wenn das Praktikum gut lief, heißt es "dranbleiben", empfiehlt Nöhmaier: "Ich würde immer wieder den Kontakt suchen." Und zwar nicht nur zu den Kollegen: "Ganz wichtig ist auch das Sekretariat, denn die Sekretärinnen wissen oft als erste, wenn eine Stelle frei wird." Steve Riedel empfiehlt, nach erfolgreichem Praktikum eine Dankeskarte oder E-Mail zu schreiben: "Das sollte man allerdings nur tun, wenn man es gern macht."
|
|