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02.06.2006



Übersicht "Meldung vom Tage" (Mai 2006)



29.05.
Wie Medikamente bei Aufmerksamkeitsstörungen wirken
ddp

Bethesda (ddp). Amerikanische Forscher haben entdeckt, was der bei Aufmerksamkeitsstörungen häufig eingesetzte Wirkstoff Methylphenidat im Gehirn bewirkt: Er verbessert die Effizienz der Informationsweiterleitung von den Sinnesorganen ins Gehirn und verhindert gleichzeitig, dass die Hirnzellen auf unwichtige Reize reagieren. Durch diese Doppelstrategie hilft die Substanz den Betroffenen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und vermindert damit auch die typischen Begleiterscheinungen der Störungen wie Aggressivität und Impulsivität. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher um Candice Drouin von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia in der Fachzeitschrift "Journal of Neurophysiology" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1152/jn.01310.2005).

Experten schätzen, dass drei bis neun Prozent aller Kinder an Aufmerksamkeitsstörungen leiden. In schweren Fällen sprechen Ärzte von einem Aufmerksamkeitsdefizit- (ADS) oder einem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Die Betroffenen haben große Schwierigkeiten, sich längere Zeit auf etwas zu konzentrieren, sind praktisch immer sehr impulsiv und können auch noch eine Reihe anderer Symptome zeigen - darunter Reizbarkeit, Depressionen, Misslaunigkeit und Vergesslichkeit. Zugrunde liegen diesen Störungen wahrscheinlich Fehler bei der Signalweiterleitung im Gehirn, die in Zusammenhang mit sozialen und psychologischen Faktoren zum Ausbruch der Krankheit führen.

Aus diesem Grund werden Betroffene meist nicht nur mit einer Psycho- und Verhaltenstherapie behandelt, sondern auch mit Medikamenten, die das Gleichgewicht der Gehirnbotenstoffe wiederherstellen sollen. Der dabei am häufigsten eingesetzte Wirkstoff ist Methylphenidat, das die Menge der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erhöhen kann. Welche Auswirkungen das jedoch auf die Gehirnzellen und damit die Wahrnehmung des Patienten hat, ist bislang nur teilweise bekannt. Daher untersuchten Drouin und ihre Kollegen, welchen Einfluss der Wirkstoff auf die Signalweiterleitung im Rattenhirn hat, wenn die Schnurrhaare der Tiere gereizt werden.

Das Ergebnis: In den Hirnregionen, in denen die Informationen über die Haarreizung verarbeitet werden, erhöhte Methylphenidat die Noradrenalinkonzentration. Gleichzeitig veränderte sich die Art der Nervensignale auf eine Weise, die schon in früheren Studien mit einem Filtereffekt für unwesentliche äußere Reize in Zusammenhang gebracht wurde. Damit sei jedoch lediglich ein Teil der Effekte des Wirkstoffs bekannt, kommentieren die Forscher, denn Methylphenidat wirke auf das gesamte Gehirn und nicht nur auf die untersuchten Areale. Sie hoffen, bald die Gesamtwirkung des verbreiteten Medikaments verstehen und damit effektivere Behandlungsmethoden gegen Aufmerksamkeitsstörungen entwickeln zu können.


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