Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 24.06.2004


Übersicht "Meldung vom Tage"

24.03.2004

"Greif Niklot" - Sozialarbeiter agiert im Internet mit Postfach

naps

und Interview im rechten "Pagan-Metal Underground"


Von Roland Hartig

Kaum zu glauben, "Greif Niklot" (Pseudonym), heute Sozialarbeiter in Rostock, lobt in einem im Internet veröffentlichten Interview die NS-Black Metal-Band ABSURD. "Greif Niklot" ist Mitbegründer der Black-Metal-Gruppe PERSOPHONE (1992, Rostock). Vor dem Hintergrund seiner menschenverachtenden Äußerungen im Interview, einer von ihm angegebenen Rostocker Postfachadresse und der von PERSOPHONE vertretenen Musikstilrichtung mit ausgeprägten paganistischen Zügen stellt sich die Frage, ob das Wirken von "Greif Niklot" mit seiner heutigen Tätigkeit als Sozialarbeiter vereinbar ist.


Was ist Pagan-Metal?

«Hierunter versteht man eine Form des Black Metal, der in seinen Musikinhalten nordische und germanische Mythologien pflegt und auch folkloristische Elemente in den Musikstil einbaut. Besonders bei den Pagan-Metallern verwischen die Grenzen zwischen Neuheidentum und offenem Neonazismus.»

Aus: "White Noise" in Gera. Eine Bestandsaufnahme (Antifaschistische Aktion Gera, Dezember 2002)

Auch wenn die Pagan-Band PERSOPHONE seit ihrem letzten Titel "The Past Of The Nightside" 1995 offenbar keine weiteren Stücke mehr produziert hat, steht die Gruppe weiterhin in den Verkauflisten verschiedener Internetanbieter.

Besonders ein mit PERSOPHONE geführtes Interview, das der peruanische Produzent "Yavar Inti Prod." auf seiner Webseite in Englisch und Spanisch veröffentlicht hat, lässt deutlich rechtsradikales und jugendgefährdendes Gedankengut erkennen. So bezieht sich der Interviewpartner "Greif Niklot" (mit Angabe einer aktuellen Postfachadresse in Rostock) positiv auf rechte und neonazistische Bands wie "MOONBLOOD, HATHOR, ABSURD, NIGHTWOLF, NAGELFAR, GRAVELAND".

Die Texte dieser Gruppen sind menschenverachtend: es geht um Machotum, Gewalt, Satanismus, Suizid und die Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Ein weiteres Beispiel: PERSOPHONE hat diesen englischen Titel nachproduziert: "The Dance Of Eternal Shadows" (Tanz der ewigen Schatten). Wörtlich heißt es in den ersten Zeilen: "Ich muss die sichtbare Hölle umarmen / um uns zu befriedigen / In Blasphemie die Huren vergewaltigen / Ich bin Er während ich mich an Deinem Fleisch weide ..."

Dass die Mitglieder der von "Greif Niklot" lobend erwähnten deutschen NS-Black Metal-Band ABSURD wegen des Mordes an ihrem Schulkameraden Sandro Beyer zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt wurden, erfährt der Leser nicht aus dem Interview. Schließlich kommentierte der verurteilte ABSURD-Sänger H. Möbius das Verbrechen im rechten Szene Almanach 1998 so: "Nun, am 29.4.93 entschlossen wir uns, dem Leben eines lebensunwerten Geschöpfes ein Ende zu setzen. So ist es geschehen ..."

Quelle: Artikel "Unheilige Allianz, Black Metal zwischen Heidentum und Neonazismus" von Christian Dornbusch, www.akweb.de/ak_s/ak428/31.htm

Am Anfang und Ende des Interviews lobt "Greif Niklot" insbesondere seine Kameraden im TOTENKOPFVERBAND [englisch: "... in particular, our comrades in the TOTENKOPF UNION (Skull Mafia - ED)."] Ein weiteres Indiz für die rechtsradikale Gesinnung von "Greif Niklot".


Zum Thema Totenkopfverbände in der SS schreibt Wolfgang Sofsky in seinem Buch "Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager" (Fischer TB, Frankfurt a. Main, 1999, ISBN 3-596-13427-7): "Die Totenkopfverbände firmierten weder als Teil der Wehrmacht noch der Polizei, sondern als 'eine stehende bewaffnete Truppe der SS zur Lösung von Sonderaufgaben polizeilicher Natur'."

Wegen des Verdachts der Unterstützung der weltweiten Verbreitung rechtsradikalen und jugendgefährdenden Gedankenguts stellte der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. am 04.03.2004 bei der Rostocker Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Rostocker Bürger, der unter dem Pseudonym "Greif Niklot" mit aktueller Postfachadresse im Internet agiert.
(AZ: 416 Js 7019 / 04, Staatsanwaltschaft Rostock)




Hinweis

Am 22.06.2004 erhielten wir von Rechtsanwalt Kay U. Tischer die Aufforderung, auf dieser Seite eine Gegendarstellung zu veröffentlichen. Es geht um die Nennung der Gruppe "Hathor". Aus Gründen der Fairness, jedoch ohne Anerkennung einer "Verpflichtungserklärung", veröffentlichen wir hier nachstehend die Gegendarstellung.




Gegendarstellung

Unter www.lichtblick-newsletter.de ist ein Beitrag vom 24.03.2004 unter der Überschrift: «"Greif Niklot" - Sozialarbeiter agiert im Internet mit Postfach...» enthalten, in dem es u.a. heißt, die Band "Hathor" sei rechts und neonazistisch.

Diese Behauptungen sind unrichtig.

Die Band "Hathor" hat zu keiner Zeit rechtes und/oder neonazistisches Gedankengut propagiert oder verbreitet. Vielmehr äußerten sich die Mitglieder der Band "Hathor" bislang stets auch öffentlich dahingehend, dass sie sich vom politischen Extremismus distanzieren. Dem Verfasser o.g. Artikels ist es somit unmöglich, seine unwahren Behauptungen jemals auch nur ansatzweise mit Fakten zu hinterlegen.

Meiningen, den 21.06.2004

Kay U. Tischer




Anmerkung der Redaktion

»1999 gab es im Internet eine Homepage, die "Wolfenstein" hieß« (1). Laut der aktuellen Broschüre "Brennpunkt Esoterik -Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus" (2) ist die Wolfenstein Homepage mit dem "Black Metal-Almanach", in der auch die Gruppe "Hathor" genannt wird, "nach staatsanwaltschaftlicher Untersuchung" aus dem Verkehr gezogen worden. RA Tischer bestätigte mir in einem Telefongespräch am 23.06.04, dass "Hathor" in Breitenbach ansässig war und nun in Thüringen sei. Er selbst sei Mitglied dieser Band.

Im Gespräch mit RA Tischer verwies ich auf ein Interview mit "Greif Niklot", in dem er "Hathor" u.a. auch die Band ABSURD würdigt. Bekannt ist, der Gründer von "ABSURD", Hendrik M., ist ein verurteilter Mörder. "Im April 1993 hatte er mit zwei anderen Gymnasiasten aus dem thüringischen Sondershausen den 15jährigen Mitschüler Sandro Beyer brutal erdrosselt." (3) Aber dazu hat sich "Greif Niklot" im Interview vom Mai 1998 nicht geäußert.


Hier die Textstelle aus dem Interview vom Mai 1998:

2. Is very extended the Black Metal Underground in Germany? I’d like to know some of your points of view about it...

(Antwort von "Greif Niklot", d.R.): These so-called fans, as well as the black warriors, satanist, Black Metal DJs, B.M. press, B.M. dealers and label bosses acclaimed by them, plus these mentally less-gifted groupies in Darkwave outfits (how I hate them), are not my sort of people - however, this is not a peculiarly German phenomenon but, rather, a global development. What has happened here will be the deathblow for our movement sooner or later, though it will be of our own making. This "scene” will get rid of itself sooner or later together with the medium, as this generation does not protect the continued existence of anything or anyone. However, there are even amongst us, still a few unwavering people who are worthy of our respect. These include MOONBLOOD, HATHOR, ABSURD, NIGHTWOLF, NAGELFAR and, in particular, our comrades in the TOTENKOPF UNION (Skull Mafia – ED). Without them and a number of others not mentioned here, this would be a wretched time. HAIL!

Quellen:
http://www.geocities.com/abyssusinvocat/EAbysmal_II_Persophone.htm
http://www.geocities.com/YawarIntiProductions/int_persophone.htm

Herr Tischer reagierte am Telefon ungehalten darüber, dass "Greif Niklot" im Interview die Gruppe "Hathor" mit "Absurd" einfach auf eine Stufe gestellt habe. Nach seiner Ansicht werden "hier verschiedene Bands in einen Topf geworfen".

Rostock, den 24.06.2004

Roland Hartig
Redaktion Lichtblick-Newsletter


Quellennachweis

(1) Ingolf Christiansen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Ev.-luth. Kirche
"Satanismus und Rechtsextremismus: Brüder in Wort und Tat?"
Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion am 19. Juni 2002 im Reichstagsgebäude 11011 Berlin
http://www.bdk-brandenburg.de/content/fachthemen/satan/sat_020609.html

(2) Brennpunkt Esoterik -Okkultismus - Satanismus - Rechtsradikalismus (PDF-Datei, 776 KB)
Autoren: Ingolf Christiansen, Rainer Fromm, Hartmut Zinser
Freie und Hansestadt Hamburg
Hg.: Behörde für Inneres, Arbeitsgruppe Scientology
http://www.arbeitsgruppe-scientology.de

(3) Satanistische Ideologie soll Beziehungstat rechtfertigen
"Das sind so Sachen, wo man ein gewisses Selbstwertgefühl kriegen kann"
von Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck
http://www.religio.de/dialog/498/15_23-24.htm

Zum Beitrag "METAL OF DEATH: Sozialarbeiter und Arbeitgeber schweigen“"

Übersicht "Meldung vom Tage"

Hier können Sie unseren Newsletter mit Neuigkeiten aus Psychiatrie, Soziales und Selbsthilfe bestellen!


RUBRIK
Meldung vom Tage

nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite