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Von Nadine Marquardt
Chemnitz (ddp-lsc). Die Integration von Schwerbehinderten in die sächsische Arbeitswelt ist trotz Fördermöglichkeiten äußerst schlecht. «Die meisten Unternehmen erfüllen die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote nicht», sagte Jürgen Dürrschmidt, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes in Sachsen (ABiD). Laut Sandra Jäschke, Pressesprecherin der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft, sind die Unternehmen zu schlecht informiert und der Bürokratieaufwand ist zu hoch. Nur 34 Prozent der Betriebe hätten 2002 ihre Beschäftigungsquote erfüllt, immerhin ein Prozentpunkt mehr als noch 2001, sagte Wolfgang Reiß, Präsident des Landesamtes für Familie und Soziales.
Dürrschmidt kritisierte, dass viele Unternehmen lieber die Ausgleichsabgabe zahlen, als einen Schwerbehinderten einzustellen. «Die Förderung ist kompliziert und funktioniert auch nicht für jeden Behinderten», sagte Dürrschmidt. Viele Arbeitgeber seien über die Möglichkeiten und Bedingungen bei der Einstellung Schwerbehinderter nicht genug aufgeklärt. «Die Integrationsfachdienste müssen die Arbeitgeber besser unterstützen», sagte Dürrschmidt.
Laut Reiß zahlten 2002 rund 5000 Unternehmen die Ausgleichsabgabe, anstatt einen Schwerbehinderten einzustellen. Obwohl 2002 weniger Betriebe unter die Beschäftigungspflicht fielen, da die dafür vorgeschriebene Zahl der Arbeitnehmer im Unternehmen von 16 auf 20 angehoben wurde, floß mehr Geld in die Kassen des Integrationsamtes. Laut Reiß zahlten die sächsischen Betriebe 2002 26,8 Millionen Euro, 400 000 Euro mehr als im Jahr davor.
Nach Angaben Horst Küglers, Regionaldirektor der Bundesagentur für Arbeit in Sachsen, können die Unternehmen Zuschüsse zum Lohn beantragen, wenn sie einen Schwerbehinderten einstellen. «Die Förderung beträgt im ersten Jahr maximal 70 Prozent», sagte Kügler. Bis zu drei Jahre werde das Unternehmen unterstützt, wobei der Fördersatz auf maximal 50 Prozent im dritten Jahr absinkt.
Dürrschmidt kritisierte, dass nur wenige Unternehmen die maximale Förderung bekämen. Viele stelten gerne Schwerbehinderte ein, es würden ihnen aber zu viele Hürden in dem Weg gestellt. «Die Integrationsfachdienste müssen intensiver daran arbeiten, die Aufklärung zu verbessern und den Arbeitgebern mehr entgegenkommen», forderte Dürrschmidt.
«Der Bürokratieaufwand ist wahnsinnig hoch, wenn sich die Betriebe dann entschließen, einen Schwerbehinderten einzustellen», bestätigte Jäschke. Es sei an der Arbeitsagentur, eine Aufklärungskampagne zu starten. «Und es ist eine generelle Aufgabe der Politik, die Bürokratie zurückzufahren und den Unternehmen entgegenzukommen», sagte Jäschke.
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