Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

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29.03.2004

Essstörungen - Magersucht und Bulimie

ddp

Wenn Essen zum Problem wird
Erste Vorsorgestelle im Nordosten eröffnet

Schwerin (ddp-nrd). Essstörungen sind psychosomatisch bedingt und meist Folge einer gestörten Persönlichkeitsentwicklung. Das Selbstwertgefühl der Betroffenen ist nachhaltig beeinträchtigt und führt zu einer zwanghaften Beschäftigung mit dem Körpergewicht und der Nahrungsaufnahme. Auch der von Werbung und Modeindustrie propagierte Schlankheitskult trägt dazu bei, dass die Zahl der Magersüchtigen und an Ess-Brech-Sucht (Bulimie) Erkrankten steigt.

Die Grenzen zwischen beiden Erkrankungen sind fließend. Magersucht zeichnet sich durch extremen Gewichtsverlust und eine verzerrte Körperwahrnehmung aus. Betroffene empfinden sich immer noch als zu dick. Nach Schätzungen von Fachleuten sterben etwa zehn Prozent der Magersüchtigen an der Krankheit.

Bulimiker haben regelmäßig Essanfälle, die sie jedoch schnellstmöglich durch selbst ausgelöstes Erbrechen oder Missbrauch von Abführmitteln wieder rückgängig machen. Sie haben ebenfalls weit übertriebene Ansprüche an ihre Figur. Im Gegensatz zu Magersüchtigen merkt man ihnen die Krankheit zunächst aber nicht an.

Magersüchtige frieren häufig, haben Schwindelanfälle und sind ständig müde. Die Verdauung wird verlangsamt, und der Blutdruck sackt in den Keller. Bulimiker leiden häufig unter Herz-Rhythmus-Störungen, schlechten Zähnen und einer entzündeten Halsröhre vom vielen Erbrechen. Ihr Elektrolythaushalt ist gestört, ein Sättigungsgefühl stellt sich nicht mehr ein.

http://www.bulimie-online.de
http://www.magersucht-online.de
http://www.essprobleme.de



Wenn Essen zum Problem wird
Erste Vorsorgestelle im Nordosten eröffnet

Schwerin (ddp-nrd). Menschen mit akuten Essstörungen können sich ab sofort Rat und Hilfe in Mecklenburg-Vorpommerns erster Vorsorgestelle für derartige Erkrankungen in Schwerin holen. Das Projekt, in dem sich zwei Psychologinnen und eine Sozialarbeiterin speziell um Betroffene von Magersucht, Esssucht oder Ess-Brech-Sucht kümmern, schließe eine Versorgungslücke im Nordosten, sagte die Landesfrauenbeauftragte Margret Seemann zur Eröffnung in Schwerin. Rund 200 000 Menschen im Land litten an Essstörungen. Die Zahl der Betroffenen nehme zu.

Der Beratungsbedarf in der Bevölkerung sei groß, betonte die Psychologin Martina Merkle. Zwar gehöre die Verheimlichung und Verleugnung der Essprobleme meist zum Krankheitsbild, die Betroffenen kämen jedoch immer früher zur Beratung.

Etwa zwei Prozent der 12- bis 25-Jährigen werden laut Seemann magersüchtig, vier Prozent entwickelten eine Ess-Brech-Sucht. Jeweils rund 90 Prozent der Betroffenen seien Frauen. Aber auch Männer hätten zunehmend mit Essproblemen zu kämpfen, weil auch sie immer stärker dem Schlankheitsideal unterworfen seien, sagte Merkle.

Auch die Esssucht verbreitet sich nach Angaben der Psychologin immer schneller. Bereits jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche seien übergewichtig. In den Genuss geregelter Mahlzeiten kämen nur «wenige Jugendliche» im Land, die meisten griffen stattdessen zu schnellen Snacks zwischendurch oder während des Fernsehens.

Die Landesregierung fördert das Projekt in diesem Jahr mit rund 60 000 Euro. Die Beraterinnen motivieren Betroffene zur aktiven Veränderung des Essverhaltens und vermitteln sie in Selbsthilfegruppen sowie ambulante oder stationäre Therapien. Auch Aufklärungsveranstaltungen in Kitas und Schulen stehen auf dem Programm. Eltern und Lehrer können ebenfalls bei dem Projekt Rat suchen. Räume und Know-how stellen das Psychosoziale Beratungszentrum "Landreiter 9" in Schwerin und die Klinik Schweriner See in Lübsdorf.

«Landreiter 9», Präventionsprojekt für Essstörungen
Am Spieltordamm 9, 19055 Schwerin
Tel. 0385/74 40 30
fkschwerin@ahg.de



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