Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert
08.03.2007



Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2007)



21.01.
Angehörigenverband fordert Anpassung
der Bettenkapazitäten in der Psychiatrie
naps


LApK MV Vorstandssitzung
Vorstandssitzung gestern in Rostock: Renate Schumann, Waltraut Hoppe, Roland Hartig, Ulrike Schob und Karin Engelmann

(naps). Angehörige psychisch Kranker verlangen angemessene Hilfen für Kranke. Dies ist das Resümee der Vorstandssitzung des Landesverbandes MV der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. am Sonnabend in Rostock. "Menschen, die seelisch aus dem Gleichgewicht geraten, verlieren nicht selten ihren Ausbildungsplatz oder ihren Job. Das bringt sie und ihre Angehörigen in Bredouille. Oft dauert die Leidensphase der Betroffenen sehr lange bis psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen wird. Doch in MV ist die therapeutische Versorgungsdichte nicht überall optimal gleich", erklärte Ulrike Schob, Vorsitzende des Landesverbandes MV der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V., der Redaktion Lichtblick.

Seit Jahren müssen sich beispielsweise Patienten der Versorgungsregion Hansestadt Wismar und Landkreis Nordwestmecklenburg, bei denen kein Notfall vorliegt, entweder auf längere Wartezeiten für die stationäre Psychiatrieaufnahme in das Hanseklinikum Wismar einstellen oder in entlegene Regionen wie Neustadt oder Schwerin ausweichen. "Für die Versorgungsregion Wismar, die etwa 160 000 Einwohner umfasst, stehen gerade mal 62 Betten und 22 tagesklinische Plätze in der psychiatrischen Abteilung des HANSE-Klinikum Wismar zur Verfügung. Das ist für diese Region viel zu wenig", sagte LApK-Geschäftsführer Roland Hartig. Wohnortnah versorgt zu werden, eine grundlegende Forderung der Psychiatrie-Enquete, scheint politisch gewollt auf der Halde zu liegen. Schließlich leistet sich die Landeshauptstadt Schwerin ein psychiatrisches Großkrankenhaus mit 255 Betten für eine Versorgungsregion von 275 000 Einwohnern. Dieser Sonderstatus benachteilige die Region Wismar erheblich.

Nach Lichtblick-Recherchen besteht schon längere Zeit in der Wismarer Abteilungspsychiatrie eine permanente Überbelegung. Es droht sogar eine Unterversorgung, obwohl die Psychiatrieabteilung des Allgemeinkrankenhauses die erforderlichen Angebote für eine bedarfsgerechte Versorgung bereithält.

Für die Fortschreibung der Krankenhausplanung im Fach Psychiatrie fordert der Angehörigenverband eine Anpassung der Bettenkapazitäten in den jeweiligen Versorgungsregionen auf das erforderliche Niveau.


Weiterführende Informationen

Die durchschnittliche Bettenziffer (BZ) für die psychiatrischen Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern liegt derzeitig bei 6,04 Betten pro 10 000 Einwohner. Allerdings fällt die BZ in den Psychiatrischen Abteilungen der Allgemeinkrankenhäuser geringer aus. Während die Versorgungsregion Schwerin über 9,35 Betten auf 10 000 Einwohner verfügt, sind es in der Wismaraner Region nur 3,73 und in der Neubrandenburger 4,71. Fakt ist, eine geringe Bettenziffer erschwert die wohnortnahe Versorgung der Patienten erheblich.


Leserbrief von Prof. Dr. med. A. Broocks zu diesem Beitrag



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