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28.05.2007



Übersicht "Meldung vom Tage" (Mai 2007)



13.05.
"Routenplaner" für die Seele
Katholische Kirche plant ein Gebetbuch von Fernfahrern für Fernfahrer
ddp


Von ddp-Korrespondent Frank Paschen

Mühlen (ddp-nrd). Das Führerhaus von Klemens Tabkes Zugmaschine ist gut ausgestattet. Auf seinen Fahrten hat er ein Telefon dabei, eine Kühlbox, eine Standheizung, eine Klimaanlage. Ein speziell auf seinen Beruf abgestimmtes Gebetbuch begleitet ihn auf seinen Touren bislang nicht. Nun plant die katholische Kirche erstmals, solch ein Gebetbuch herauszugeben. Mit dem Sammeln von Gebeten von Fernfahrern für Fernfahrer hat sie schon begonnen. Für Tabke eine tolle Idee: "Wenn abends nach dem Essen Ruhe ist, dann wäre das interessant", sagt der Fahrer der Spedition Schockemöhle in Mühlen.

"Ich bin christlich erzogen worden und gehe zur Kirche", sagt Tabke. "In der Familie steht der Glaube im Mittelpunkt, Glaube bedeutet einem was." Sein Beruf als Fernfahrer ist mit Stress und Gefahr verbunden. Zwei bis drei Tage ist der 50-jährige Fernfahrer in der Regel am Stück in Deutschland unterwegs. Seine Frau, die zwei Kinder oder die Enkelin bekommt er in dieser Zeit nicht zu Gesicht. Ein Gebetbuch wäre ihm in dieser Zeit sehr willkommen.

"Meine theologische Aussage ist, dass es für alle Situationen einen 'Routenplaner' und eine 'Leitplanke' gibt, die einem Orientierung bieten und das Abkommen vom Kurs verhindern können", sagt der Theologe und Internetbeauftragte des Bischöflich Münsterschen Offizialats in Vechta, Dietmar Kattinger. Deshalb hat er das Buchprojekt "Gebete für Lkw-Fahrer" initiiert und sammelt nun Gebete von Fernfahrern.

Das Gebetbuch soll im September erscheinen und rund 200 Gebete von Fahrern, deren Angehörigen und Arbeitgebern beinhalten. "Themen dieser Gebete können sein die Sorge um eine gute Fahrt, um die Ehe, um die Klassenarbeit der Kinder, den Erhalt des Arbeitsplatzes, der Dank dafür, dass man einem Unfall entronnen ist, oder der Dank für gutes Essen oder das freundliche Wort der Bedienung an der Raststätte", sagt Kattinger.

Weihbischof Heinrich Timmerevers, Regionalbischof für das Bistum Münster in Niedersachsen, will mit dem Gebetbuch Menschen ansprechen, die nicht zu den typischen Kirchgängern gehören. "Wir gehen aus unseren bewährten Bahnen heraus", sagt Timmerevers.

Der Weihbischof, der nach eigenen Angaben selbst 60 000 Kilometer pro Jahr unterwegs ist, ist vom Beruf des Fernfahrers beeindruckt. "Das Getrenntsein von der Familie, das monotone Fahren bei höchster Konzentration auf den Straßenverkehr, der Zeitdruck und die unregelmäßigen Arbeits- und Erholungszeiten sind eine hohe Belastung." Darüber hinaus sei der Fahrer im Straßenverkehr Mächten und Kräften ausgeliefert, die er nicht kontrollieren könne, sagt der Weihbischof.

Paul Schockemöhle, Speditionsunternehmer und ehemaliger Springreiter, unterstützt das Projekt. "Im Verkehr lauern viele Gefahren. Und die Ruhepausen sollen den Fahrern Gelegenheit geben, zur Besinnung zu kommen", sagt er. Er sei Katholik und fühle sich als Repräsentant einer Region, die dem Katholizismus seit Jahrhunderten sehr nahe ist. Insofern habe er das Projekt sofort unterstützt - ein Gebet habe er jedoch noch nicht zu dem geplanten Gebetbuch beigetragen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) unterstützt das Projekt ebenfalls. In einem Vorwort schreibt der Politiker, dass Fernfahrer mit dem Gebetbuch Abstand zum Stress des Berufsalltags suchen könnten. Gelte es doch, den Spagat zwischen Leistungs- und Termindruck sowie der Verantwortung auszuhalten. Rücksicht, Vernunft, Fairness und Solidarität sollten deshalb die "Leitplanken" auf den Straßen sein. Das Gebetbuch leiste dabei Orientierungshilfe jenseits der vorgegebenen Verkehrsrouten.


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