Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

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25.07.2007



Übersicht "Meldung vom Tage" (Juli 2007)



25.07.
Gedenken an die Opfer der NS-Erbgesundheitsgesetze
naps


(naps/rh). Gleich neun Organisationen und Vertretungen aus Psychiatrie, Selbsthilfe, Kirche und Landeshauptstadt laden für den 1. September 2007 um 14 Uhr zur Mahn- und Gedenkveranstaltung für die Opfer der Erbgesundheitsgesetze des Nationalsozialismus in die Berliner Tiergartenstraße 4 ein. "Diese Opfer dürfen nicht vergessen werden!", so der Appell der Veranstalter.

Laut Programm übernimmt Ruth Fricke vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE) die Begrüßung. Dr. Michael von Cranach, ehemaliger Leiter des BKH Kaufbeuren, hält zum Gedenken an hunderttausende Menschen, die durch Massenmord oder Verstümmelung Opfer von "Euthanasie"- und Zwangssterilisationsmaßnahmen wurden, eine Rede. Danach folgen Gedenkworte von Prälat Dr. Stephan Reimers (Bevollmächtigter der EKD), Margret Hamm (Geschäftsführerin, Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten e.V.), Dr. med. Iris Hauth (Vorstandsvorsitzende, Bundesdirektorenkonferenz), Dr. med. Ingrid Munk (Arbeitskreis für Chefärztinnen und Chefärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland), Eva Straub (Vorsitzende, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker), Regina Schmidt-Zadel (Vorsitzende, Aktion Psychisch Kranke), Gunter Stork (Vorstand DGSP) und Martin Marquard (Beauftragter des Landes Berlin für die Belange behinderter Menschen).

Der BPE schreibt in seiner Einladung: "Diesen Opfern zum Gedenken und den Lebenden zur Mahnung wollen wir uns am 1. September in Berlin im Tiergarten 4, dort wo einst das Haus stand, in dem Ärzte über lebenswert oder lebensunwert entschieden haben, versammeln. Gedenken Sie mit uns dieser Opfer!" - Die Veranstaltung endet gegen 15.30 Uhr.


Weiterführende Informationen

INTERNET

Flyer zur Mahn- und Gedenkveranstaltung (Einladung)
www.bpe-online.de (Termine)

Aktion T4
http://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4

BEZ: Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses endlich aufheben
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BUCHTIPP

Lebensunwert zerstörte Leben. Zwangssterilisation und 'Euthanasie'

Das Fachbuch "Lebensunwert zerstörte Leben. Zwangssterilisation und 'Euthanasie'" beleuchtet dieses Kapitel der NS-Zeit so prägnant wie wohl keine andere Publikation. Dokumentiert werden bewegende Schicksale von zwangssterilisierten und 'euthanasie'-geschädigten Menschen und die gesellschaftlichen Bedingungen, die zu ihrer Ausgrenzung, Verstümmelung und, bei 'Euthanasie'-Geschädigten, zum Tod ihrer Eltern führten. Dass die noch wenigen hochbetagten Opfer von Zwangssterilisation und "Euthanasie" weiterhin um ihre Rehabilitierung und die Annullierung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses von 1933 kämpfen, zeigt, wie diese gedemütigten Menschen von Politik und Gesellschaft wahrgenommen werden - streng genommen überhaupt nicht.

Das Buch verweist darauf, dass im Zeitraum von 1934 bis 1945 etwa 350 000 Kinder und Erwachsene aufgrund dieses Gesetzes ihrer Zeugungsfähigkeit durch Zwangssterilisation beraubt wurden. Nach 1939 wurden 300 000 Menschen als "lebensunwert" stigmatisiert und durch die verschiedenen "Euthanasie"-Maßnahmen wie Gas, Injektionen und gezieltes Verhungernlassen ermordet.

Hierzu liefert der Sammelband des Bundes der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten e.V., Detmold (BEZ), eine Fülle von Fakten, Materialien und Zusammenhängen. Dabei verdient ein Ausspruch von William Faulkner, der am Ende des Vorwortes von Margret Hamm steht, besondere Beachtung: "Das Vergangene ist nie tot; es ist nicht einmal vergangen." Schließlich setzen sich einige Autoren im Kontext zur Geschichte auch mit den aktuellen Entwicklungen auseinander, wie z.B. Michael Wunder in seinem Aufsatz "Die genetische Verbesserung des Menschen: Der Traum, der zum Alptraum wurde", oder Erika Feyerabend in "Sterben heute. Zur aktuellen Euthanasie-Debatte". Diese Neuerscheinung aus dem Verlag für akademische Schriften bietet genügend Stoff zum Nachdenken, Diskutieren und Handeln.

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