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Von ddp-Korrespondent Peter Leveringhaus
Berlin (ddp). In den USA oder den Niederlanden hat die Substanz als «Vergewaltigungsdroge» (engl. «date rape drug») bereits für Schlagzeilen gesorgt: GHB (Gamma Hyydroxy Buttersäure), in der einschlägigen Szene auch «Liquid Ecstasy» genannt. Partygänger nehmen GHB wegen seiner aufputschenden Wirkung zu sich. Doch auch in Deutschland hat es erste Fälle gegeben, bei denen Frauen in Discos oder auf Partys GHB in ihren Drink geschüttet wurde, um sie bewusstlos zu machen und anschließend sexuell zu missbrauchen.
Aus Freiburg wurde ein Vorfall bekannt, bei dem eine 35-Jährige nach einer Party in einer Großdisco am nächsten Tag mit blutverschmiertem Rock und Unterleibschmerzen aufwachte. Sie wandte sich an die Beratungsstelle «Frauenhorizonte». «Zum einen ist es der durch GHB bewirkte Gedächtnisverlust, der die betroffene Frau daran zweifeln lässt, ob überhaupt etwas 'passiert' ist», sagt «Freuenhorizonte»-Mitarbeiterin Simone Thomas. Besonders für Frauen, die zur Tatzeit bereits Alkohol oder Drogen eingenommen haben, sei die Hemmschwelle ein derartiges Verbrechen anzuzeigen, sehr hoch.
Die Warnungen klingen ebenso altbacken wie «Wir können den Frauen grundsätzlich nur zwei Dinge raten. Erstens: Keine Getränke unbeaufsichtigt stehen lassen und zweitens: Wenn der Verdacht auf Vergewaltigung besteht, soll sie eine Urinprobe einfrieren lassen», sagt Thomas.
Dass dies wenig Erfolgsaussichten hat, weiß der Berliner Toxikologe Fritz Pragst von der Universitätsklinik Charite: «GHB ist ein Stoff, der auch vom menschlichen Körper in sehr geringer Menge selbst produziert wird. Wenn GHB als Droge konsumiert wird, ist der erhöhte Pegel bereits nach fünf Stunden nicht mehr nachweisbar, weil es sich vollständig in Wasser und Kohlendioxid auflöst.» Die meisten GHB-Patienten erschienen aber erst nach acht bis zwölf Stunden in einer Rettungsstelle - wenn überhaupt, berichtet der Mediziner.
Wie wenig die Experten über GHB als Modedroge bisher wissen, verdeutlicht Marc-Dennan Tensil, Psychologe der Delphi-Gesellschaft für Suchtforschung in Berlin: «In repräsentativen Erhebungen taucht dieser Stoff noch gar nicht auf den Fragebögen auf. Wissenschaftlich abgesicherte Kenntnisse über die Verbreitung gibt es also gar nicht, sondern nur Vermutungen.» Im vergangenen Jahr registrierte die Delphi-Gesellschaft gerade zwei Anfragen, was nach Ansicht von Tensil aber nicht ausschlaggebend sein muss: «Möglicherweise wird das Problem unterschätzt.»
Das meint auch Wolfgang Weinmann, Rechtsmediziner der Uniklinik Freiburg: Gegenwärtig werde «eine sehr starke Zunahme des Missbrauchs von GHB verzeichnet», vor allem «im Bereich der Party- und Technoszene». Die Drogen kämen teilweise aus Frankreich und anderen Ländern nach Deutschland, ließen sich aber auch leicht im Labor selber herstellen. Die Verfügbarkeit sei enorm groß.
Ein Blick in einschlägige Internet-Foren belegt diese Vermutung nachdrücklich. Unter «www.suchtzentrum.de» finden sich seitenlange Listen, in denen über Erfahrungen mit GHB berichtet wird. Stellenweise wird GHB im Internet auch noch fälschlicherweise als «legale» Droge bezeichnet. Fakt ist: GHB zählt seit dem 1. März 2002 in Deutschland zu den illegalen Drogen, fällt also unter das Betäubungsmittelgesetz.
Beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden wird die GHB-Problematik offiziell «auf relativ geringem Niveau» eingestuft. 13 polizeilich registrierte Sicherungsfälle habe es 2002 gegeben. In 2002 wurde kein einziger Vorgang im Zusammenhang mit einem Vergewaltigungsdelikt gemeldet. «Im Ausland spielt das Thema GHB offenbar eine größere Rolle», so ein BKA-Sprecher.
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