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17.06.2008



Übersicht "Meldung vom Tage" (JUNI 2008)



13.06.

"kids-hotline" mit "Grimme Online Award" gewürdigt

ddp


Projekt mit 70 Ehrenamtlichen

Von ddp-Korrespondentin Angela Huß

München (ddp-bay). "Sie will sich umbringen!!" hat Userin "ninischaatz" Anfang Mai ins Internetforum der Münchner "kids-hotline" geschrieben. Ihre Freundin ritze sich "richtig heftig" in die Arme und versuche, dies vor ihren Eltern zu verbergen. "ninschaatz" wusste nicht mehr weiter und setzt auf die Hilfe der Onlineberatung kids-hotline.de. Sie ist eine von vielen: Knapp 18 000 junge Menschen aus Deutschland und der ganzen Welt haben sich bisher auf der Homepage registriert.

70 Ehrenamtliche versuchen tagtäglich, mit der virtuellen Beratungsstelle Usern zwischen 12 und 21 Jahren bei deren Problemen zur Seite zu stehen. Das Motto lautet: "Wenn deine Welt mal Kopf steht - Wir sind für dich da!". Das Spektrum der Probleme reicht von Vergewaltigung über Mobbing bis hin zu Drogensucht.

Jetzt erhielt die "kids-hotline" für ihren Internetauftritt sogar den Grimme Online Award "Wissen & Bildung". Da die Zielgruppe fast vollständig das Web nutze und inzwischen intensiv Rat für ihre Probleme in Foren und Chats suche, sei es nur konsequent, im Web ein professionelles Hilfsangebot anzubieten, begründete die Jury ihre Entscheidung. "Kein anderes Medium leistet dies in solch passgenauer, effizienter und - trotz einer verpflichtenden Registrierung bei 'kids-hotline' - niedrigschwelliger Weise", hieß es.

Diese Auszeichnung freut die Pädagogin und Leiterin der "kids-hotline", Emily Engelhardt, ganz besonders. Das bringe zusätzliche "öffentliche Wahrnehmung" der Internetseite. Zudem hoffe sie jetzt auch auf finanzielle Unterstützung durch das Bundesfamilienministerium. Bisher konnte das 1999 von Studenten der Katholischen Stiftungsfachhochschule München/Benediktbeuern ins Leben gerufene Projekt nur durch Spenden finanziert werden. Hauptspender und Träger ist der Kinderschutzverein München.

Für Engelhardt ist die Anonymität im Netz wichtig. Sie sieht die virtuelle Beratungsstelle vor allem als Alternative zu regionalen Anlaufmöglichkeiten, bei denen die Jugendlichen persönlich erscheinen müssen. "Manche nutzen explizit das Medium Internet, um über ihre Probleme zu sprechen", sagt sie. Man brauche sich nur anmelden, einen Spitznamen zuzulegen - und los gehe es. Die Pädagogin hat außerdem die Erfahrung gemacht, dass viele Kinder und Jugendliche durch das Lesen anderer Beiträge ermutigt werden, selber über ihre Sorgen zu schreiben. Und das ist wichtig, denn allein "das Schreiben an sich führt zu Reflektionsarbeit", erläutert die Projektleiterin.

Hinzu kommt, dass die User zwischen verschiedenen Beratungsformen wählen können. Es gibt einerseits öffentliche Themenforen und moderierte Chats, die jeder auch nicht registrierte Benutzer einsehen kann. Wer es jedoch etwas privater möchte, kann eine Einzelberatung in Anspruch nehmen. Diejenigen, die keine Tipps mehr wollen, "können den Kontakt jederzeit abbrechen", sagt Engelhardt.

Die 70 Mitarbeiter der "kids-hotline" arbeiten alle ehrenamtlich. Es gibt erwachsene Fachberater wie Sozialpädagogen, Therapeuten, Lehrer, Mediziner und sogar Pfarrer. Außerdem üben sich sogenannte Peers als Berater "auf Augenhöhe": Sie sind so alt wie die User selbst, also höchstens 21 Jahre, und können ohne fachliche Qualifikationen mitarbeiten. Engelhardt arbeitet seit 2002 als Ehrenamtliche bei der "kids-hotline" mit. 2006 übernahm sie schließlich die Leitung des Projekts.

Bei all den knallharten Problemen, die in der virtuellen Beratungsstelle zur Sprache kommen, "ist die Arbeit nicht immer ganz einfach", gibt Engelhardt zu. Dass man sich nicht Auge in Auge gegenübersitze, sei dabei auch ein Vorteil. So könne man besser Abstand gewinnen. "Das A und O" sei außerdem der Austausch mit den anderen Mitarbeitern. "Manchmal reicht es schon, wenn jemand fragt, ob ich Unterstützung brauche", schildert die Pädagogin. Am schönsten sind für die Mitarbeiter unmittelbare Erfolgserlebnisse, wie im Falle von "ninischaatz": Wie dem Forum zu entnehmen ist, hat die Freundin mit dem Ritzen aufgehört.




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