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15.04.2004

Angehende ABC-Schützen: Reif für die Schulbank?

ddp
Angehende ABC-Schützen müssen einige Fähigkeiten mitbringen

München (ddp). In Deutschland erhalten alle Kinder, die vor dem 1. Juli sechs Jahre alt werden, automatisch den Einschulungsbescheid. Mädchen und Jungen können aber zurückgestellt werden, wenn sie dem Schulbesuch körperlich und psychisch nicht gewachsen sind. In diesem Fall bleiben sie im Kindergarten oder besuchen die Vorschule oder spezielle Förderklassen.

Als Kriterien für die Schulfähigkeit eines Kindes sehen Experten körperliche und geistige Leistungen, soziale Kompetenzen sowie eine gewisse Arbeitshaltung und Motivation. Beispielsweise sollte das Kind den feinmotorischen Umgang mit Schere und Stift beherrschen. Auch sollte es sprachlich so entwickelt sein, dass es sich ausdrücken kann und die Lehrerin und Mitschüler versteht.

Bei Zweifeln an der Schulfähigkeit ihres Sprösslings empfiehlt sich für Eltern das Gespräch mit den Erzieherinnen, den zukünftigen Lehrern oder anderen Eltern. Auch ein Besuch bei einer schulpsychologischen Beratungsstelle kann ihnen weiterhelfen.


Zurückstellung nur, wenn der Schularzt eindeutige
körperliche und psychische Defizite feststellt

Von ddp-Korrespondent Mirko Hertrich

Celle/München (ddp). Nach dem Ende der Sommerferien beginnt für viele ABC-Schützen in Deutschland der Ernst des Lebens. Während sich die Kleinen auf ihren ersten Schultag freuen, stellt sich für viele Eltern im Vorfeld die bange Frage, ob ihr Kind dieser Aufgabe wirklich schon gewachsen ist. Denn für einen erfolgreichen Schulstart müssen die Erstklässler nicht nur eine gewissen Körpergröße oder ein bestimmtes Gewicht mitbringen. Wichtig für die Schuleignung sind auch ihre geistige, emotionale und soziale Entwicklung.

«Generell müssen Erstklässler körperlich in der Lage sein, den Belastungen des Lernbetriebs gerecht zu werden», sagt Bernd Jötten, Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband der Deutschen Psychologinnen und Psychologen. Auch sprachlich sollten sie in der Schule mitkommen. Beides werde bisher beim Schuleignungstest ermittelt. Eine Überprüfung der Hörfähigkeit sei hierbei bislang vernachlässigt worden, bemängelt der Celler Schulpsychologe. Bei Hörproblemen könnten die Kleinen aber dem Unterricht nicht richtig folgen, was ihre Schullaufbahn stark beeinträchtige.

Auch sollten die ABC-Schützen keine Schwierigkeiten haben, längere Zeit von zu Hause weg zu sein. Wenn sie in der Schule weinen und regelrecht einbrechen, belastet dies die Kinder und die ganze Klasse, wie Jötten betont. Generell warnt er aber davor, bei Bedenken Kinder vorschnell vom Schulbesuch zurückzustellen. Dies sollte nur geschehen, wenn der Schularzt eindeutige körperliche und psychische Defizite feststellt.

Bei Unsicherheiten hinsichtlich der Schuleignung ihres Sprösslings kann Eltern auch ein Gespräch mit dessen Kindergärtnerin helfen. «Die Erzieherinnen kennen die Kinder über einen langen Zeitraum und haben Vergleichsmöglichkeiten mit Gleichaltrigen», sagt Renate Niesel vom Münchner Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP). Darüber hinaus empfiehlt die Psychologin einen gemeinsamen Besuch der für das Kind ausgewählten Grundschule. Bei einer Unterhaltung mit den Lehrern lasse sich klären, wie auf den Förderbedarf des Kindes eingegangen werden kann.

Niesel zufolge müssen sich im Falle einer Rückstellung alle Beteiligten über die Gründe hierfür im Klaren sein. Kinder reiften nicht alleine durch ein zusätzliches Jahr im Kindergarten. Vielmehr müsse ihr Förderbedarf gezielt ermittelt und angegangen werden. Vor allem bei Sprachstörungen könne ein spezielles logopädisches Angebot helfen.

Doch auch durch ein richtiges Verhalten der Familie kann so manchem Schulproblem vorgebeugt werden. «Eltern und Geschwister sollten den Anfängern keine negativen Botschaften mitgeben», sagt die Wissenschaftlerin. Aufgrund eigener Erfahrung fielen im Familienkreis oft abfällige Bemerkungen über die Schule. Auch hätten viele Mütter und Väter Angst, ihr Kind könnte durch eine zu frühe Einschulung überfordert werden.

Diese Sorge teilt Psychologe Jötten nicht. Studien hätten gezeigt, dass die geistigen Fähigkeiten der Kinder im Einschulalter schon viel weiter entwickelt seien, als bisher angenommen. Oftmals entwickelten sich die Fähigkeiten der Kleinen in der Schule zudem besser als bei einer Zurückstellung.

Besonderes Augenmerk sollten die Eltern nach den Worten Jöttens allerdings auf die Wahl der Schule legen. Vieles hänge in diesem wichtigen Lebensabschnitt der Kinder vom Klima in der Klasse und deren Größe ab. Zugleich plädiert er für eine «Gleichwertigkeit der Verantwortung von Elternhaus und Schule». Wenn beide Seiten den Förderbedarf des Kindes genau festlegten, entstehe ein «gutes Produkt».


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