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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 05.05.2004


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19.04.2004

Positives Echo auf Hausarztmodelle

ddp

Ärzteverbände skeptisch

Qualität soll vor Schnelligkeit gehen - Einsparungen ungewiss

Von Thorsten Severin

Berlin (ddp). Die von mehreren Krankenkassen angekündigten Hausarztmodelle werden von Politikern und Gewerkschaften begrüßt. Kritisch äußerten sich am Montag hingegen Ärzteorganisationen, die eine Einschränkung der freien Arztwahl befürchten. Einige Krankenkassenverbände warnten ihre Konkurrenten zudem davor, bei den Projekten auf Schnelligkeit statt auf Qualität zu achten.

Bei den Hausarztmodellen müssen sich die Versicherten dazu verpflichten, im Krankheitsfall immer zuerst ihren Hausarzt aufzusuchen. Als Belohnung können sie die Praxisgebühr sparen oder von anderen Vergünstigungen profitieren.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte, der Streit um die Praxisgebühr könne jetzt in eine «konstruktive Richtung» gelenkt werden. Hausarztmodelle seien schon lange das Ziel von Rot-Grün gewesen, wegen der Blockade der Union könnten sie aber erst jetzt eingeführt werden. Auch FDP-Gesundheitsexperte Dieter Thomae bewertete die Wahlmöglichkeiten für die Versicherten positiv. Unions-Gesundheitsexperte Horst Seehofer (CSU) sagte, Hausarztmodelle seien zu begrüßen, wenn die Kassen die Praxisgebühr durch Einsparungen an anderer Stelle ausglichen, «mit dem Ziel weiterer Beitragssenkungen».

DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer begrüßte, dass die Kassen nun «die Ansätze für Strukturreformen nutzen wollen, um die Praxisgebühr überflüssig zu machen». Dies sei ein wichtiges Signal für die Versicherten. Die Qualität der Versorgung könne so verbessert und Beitragsmittel könnten effizienter eingesetzt werden.

Der Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Hans Jürgen Ahrens, mahnte, die Modelle müssten «qualitative Merkmale erfüllen und sich rechnen». Daher komme nicht jeder Hausarzt in Frage. Die Mediziner müssten «geschult» sein, damit Doppeluntersuchungen vermieden und Überweisungen ins Krankenhaus wirklich nur dann angeordnet würden, wenn es keine Alternative gebe. Für die Ärzte dürften daher nicht allein «Marketing-Gesichtspunkte» ausschlaggebend sein, um sich an einem Modell zu beteiligen.

Kritisch äußerte sich Ahrens zu den Plänen der Barmer, schon bald mit einem bundesweiten Programm zu starten. «Die Ankündigung eines unmittelbar bevorstehenden Hausarztmodells legt die Vermutung nahe, dass dies nicht bis in alle Verästelungen durchdacht ist», gab Ahrens zu bedenken. Auch der Sprecher des BKK-Bundesverbandes, Florian Lanz, kündigte an, die Betriebskrankenkassen wollten genau prüfen, mit wem sie einen Vertrag abschließen. Die Hausarztmodelle der BKKen sollten mit besonderen Anforderungen wie einer Fortbildungspflicht für Ärzte verbunden werden.

Kritik kam auch von Ärztevereinigungen. Der NAV-Virchow-Bund warf der Barmer vor, sie läute als erste Kasse «das Ende der freien Arztwahl» ein. «Mit diesem billigen Köder sollen die Patienten auf den Leim einer Zuteilungsmedizin gehen und auf ihr Recht auf freie Arztwahl verzichten», sagte der Vize-Vorsitzende Hans-Martin Hübner. Ähnlich äußerte sich der Hartmannbund. KBV-Sprecher Roland Stahl zeigte sich skeptisch, ob die Modelle tatsächlich die erwarteten Einsparungen bringen. Auch AOK-Chef Ahrens rechnet allenfalls mit einem «Nullsummenspiel».


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