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05.05.2004

«30 - bis hierher und wie weiter?» - Wenn die dritte Null aufs Gemüt schlägt

ddp

Neues Buch von zwei Autoren übers «Älterwerden»


Von ddp-Korrespondent Christian Herrendorf

Düsseldorf (ddp-nrw). Der 30. Geburtstag kam für Philipp Holstein gleich doppelt übel: wegen der naturbedingten «dritten Null» und weil ihn ein grippaler Infekt heimsuchte. «Die klassische Reaktion auf seelische Krisen», weiß Holstein heute, knapp zwei Jahre später. Gemeinsam mit seiner Kollegin und besten Freundin Kathrin Lenzer untersucht der Düsseldorfer Journalist nun das Lebensgefühl seiner Altersgruppe in dem bei «rororo» erschienen Buch «30 - bis hierher und wie weiter?». In 25 Kapiteln schildern die beiden Autoren jeweils abwechselnd aus der Sicht von Frau und Mann den Umgang mit jenem Geburtstag, bis zu dem «man sich dem Erwachsensein entziehen» konnte.

Die 50 ein- bis siebenseitigen Texte erscheinen gleichermaßen als wehmütiger Rück- und positiver Ausblick, so dass sie der rund zehn-millionen-köpfigen Ziel- und Bevölkerungsgruppe der 25- bis 35-Jährigen als ideale Vor- und Nachbereitung dienen können. Dennoch vermeiden Lenzer und Holstein bewusst den Anspruch, im Namen einer Generation zu schreiben. «Deshalb ist das Buch so radikal persönlich. Es taucht nie ein 'Wir', sondern stets das 'Ich' auf», erläutert der 31-jährige Holstein. Co-Autorin Lenzer ergänzt: «Trotzdem ist das «erzählende Ich» nicht immer 100-prozentig identisch mit dem Autor.» Was dem 220-seitigen Werk nur weitere heitere Seiten beschert, etwa, wenn Lenzer in Gedanken ihr Bewerbungsschreiben für das Amt der Bundespräsidentin verfasst.

Einzig fraglich erscheint, ob «30 - bis hierher und wie weiter?» als Sachbuch passend kategorisiert ist. Denn die Düsseldorfer pflegen ein beachtliches literarisches Niveau und geben gerade keine Ratschläge oder Lebenshilfe. Meist beginnen sie ihre individuellen Betrachtungen in einer alltäglichen Situation oder mit etwas Grundsätzlichem wie etwa der ersten eigenen Waschmaschine oder der ersten Festanstellung, der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen oder den unzähligen Versicherungsmöglichkeiten. Beide Autoren schreiben klug und belesen, zugleich auch locker und zum Teil herrlich naiv. «Wir sind beide Lebensdilettanten. Wir machen viel falsch, aber haben auch Lust daran, weil es das erste Mal ist. Das Buch ist viel mehr Spaß an der Selbstbeschau als Therapie», sagt Holstein.

Die größte Schwierigkeit in den zweijährigen Schaffensprozeß bildete das jeweils zweite Wort im Kapitel «Eine Frau/Ein Mann». «Philipp wollte immer noch Junge und Mädchen schreiben, aber das ging nun wirklich nicht mehr», berichtet Lenzer, die im übrigen aber als die flippigere der beiden erscheint, als «Trash-Trägerin», während Holstein vorwiegend in gebügelten Oberhemd auftritt. Gerade diese Spannung zwischen den unterschiedlichen Charakteren und Geschlechtern schafft den Reiz zwischen den sauber getrennten Abschnitten im Buch. Holstein: «Es ist unheimlich interessant zu sehen, was im Kopf des anderen Geschlechts vorgeht. In manchen Sachen, wie beim Thema körperlicher Verfall etwa, denken beide gleich, beim Kinderkriegen hingegen bestehen dieselben Unterschiede wie immer.» Weil diese Unterschiede im Buch nicht ausdrücklich benannt werden, sondern sich beim Lesen von selbst ergeben, hebt sich «30 - bis hierher und wie weiter?» angenehm von den Werken über «Quarterlife Crisis» und ähnliche Phänomene ab.


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