Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 04.08.2004


Übersicht "Meldung vom Tage"

05.05.04

Die Rostocker "Greif Niklot"–Affäre

lichtblick

Kommentiert: Ermittlungsverfahren eingestellt

Greif Niklot

METAL OF DEATH

Sozialarbeiter und Arbeitgeber schweigen


Am 24. März berichtete Lichtblick: «Sozialarbeiter agiert im Internet mit Postfach und Interview im rechten "Pagan-Metal Underground"». Sein Pseudonym: "Greif Niklot". Und was macht "Niklot", heute Sozialarbeiter in leitendender Stellung? Er schweigt. Auch beim Arbeitgeber "Gemeinnützige Gesellschaft für Gemeindepsychiatrie im Arbeiter-Samariter-Bund mbH" (GGP, Rostock) herrscht Funkstille. Die Schreiben des Angehörigenverbandes mit der Bitte um eine Stellungnahme, adressiert an den Sozialarbeiter und an Geschäftsführer Torsten Benz, blieben bis heute unbeantwortet."Eine langjährige Freundin" von "Greif Niklot" moniert jetzt: "Ihre Anschuldigungen basieren auf völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen in Interviews und auf zusammengesuchten Informationen über eine Musikrichtung, die so unzählige Bands verschiedener Herkunft vereint."
In verschwommener Pose:
"Greif Niklot" | Bildquelle |

Psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen sind über das Wirken von "Greif Niklot" in der Pagan-Metal-Szene entsetzt und lehnen es ab, diese mutmaßliche Angelegenheit wegen seines heutigen "Engagements für Kranke" zu bagatellisieren oder gar zu vertuschen. Dazu erklärte kürzlich Ulrike Schob, Vorsitzende des Landesverbandes M-V der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V.: "Unsere Darstellung ist keine 'Kampagne gegen die Gemeindepsychiatrie', sondern ein wichtiger Vorgang zur Meinungsbildung über bestehende Defizite und Probleme in der Psychiatrie. Diese zu benennen und beseitigen zu helfen, gehört mit zu unseren Aufgaben." Offensichtlich wird dieser Ansatz von einigen Verantwortlichen der GGP als störend empfunden. "Pagan-Metal ist kein Spaß! Wir wollen eine rasche Aufklärung der erhobenen Vorwürfe”, so die Vorsitzende. Für den Angehörigenverband gibt es nur zwei Möglichkeiten: "Entweder die Vorwürfe können vollständig entkräftet werden, oder es müssen Konsequenzen gezogen werden.”


Auf erhebliche Kritik gestoßen:

"Niklot" lobt als Interviewpartner die NS-Black Metal-Band ABSURD (Bild 1).




Aus den Medien ist bekannt:

Der Gründer der Black-Metal-Band "Absurd", Hendrik Möbus,
ist ein verurteilter Mörder.


Gruppe "ABSURD" – weiterführende Informationen

Der Nachahmer: Ein verurteilter Mörder
http://www.ingo-heinemann.de/Asyl.htm#Nachahmer

Satanistische Ideologie soll Beziehungstat rechtfertigen
http://www.religio.de/dialog/498/15_23-24.htm

IDGR - Lexikon Rechtsextremismus
http://lexikon.idgr.de/m/m_o/moebus-hendrik/moebus-hendrik.php

Informationen unter Google


"TOTENKOPF UNION (Skull Mafia - ED)"

Am Anfang (Bild 1) und Ende des Interviews (externe Seite) hebt "Greif Niklot" als Mitglied der Pagan-Metal-Band PERSOPHONE insbesondere seine Kameraden im TOTENKOPFVERBAND hervor. [englisch: "... in particular, our comrades in the TOTENKOPF UNION (Skull Mafia - ED)."] Ein Indiz für die rechtsradikale Gesinnung des Bandmitgliedes "Greif Niklot".


METAL OF DEATH

Der Interviewer von "Yavar Inti Prod." (externe Seite) macht selbst keinen Hehl daraus,
extreme Ziele zu verfolgen. Seine Botschaft lautet:

Quelle: "Yavar Inti Prod." Bild 2
Übersetzung (Bild 2, Auszug): "Wir spucken auf die Regeln dieser kranken Gesellschaft. Wir pinkeln auf heuchlerische Doktrinen. Wir lassen unseren Stuhlgang in den Gedärmen der Kirche. Denn wir respektieren den METAL DES TODES."


Greif Niklot: "Our contact adress ... P.O. BOX 271102 ... ROSTOCK"

Unbestritten: "Greif Niklot" agiert mit aktueller Postfach- und Kontaktadresse (Bild 3).
Diese ist identisch mit der privaten Postfachadresse eines Sozialarbeiters der GGP (Bild 4)



Identisch mit der privaten
Postfachadresse eines
Sozialarbeiters der GGP
Sreenshot vom 12.03.04
Bild 4



"The past of the nightside”

Verschiedene Anbieter aus dem Ausland vertreiben die Titel von Persophone. SHE DIVINE's Katalog (Spanien) bietet die Persophone Demo "The past of the nightside” für 2,70 Euro (Bild 5) plus Versandkosten. Interessant ist: Basiert der Verkauf der Titel von Persophone auf einer Lizenzabtretung, Tantiemen oder sind das nur Raubkopien? "Greif Niklot", der in dem professionell gedruckten Cover "The past of the nightside” (Bild 6 und 7) als Kontaktperson mit vollständiger Adresse (Bild 8) steht, müsste es wissen.

Bild 5


Bild 6


Bild 7


Bild 8



"In Blasphemie die Huren vergewaltigen"
"Ich bin bereit für den Gott in der Hölle"

Ein Beispiel aus der Demo "The past of the nightside”:
Die wörtliche Übersetzung des Titels "The Dance Of Eternal Shadows"

Tanz der ewigen Schatten

Ich muss die sichtbare Hölle umarmen
um uns zu befriedigen
In Blasphemie die Huren vergewaltigen
Ich bin Er während ich mich an Deinem Fleisch weide

Schau mir in die Augen
und sieh die dunkelsten Schatten tanzen
in der Wüste meines Lebens spielend
Brennend - und meine Seele fährt hinab ...

Jedermanns Liebhaber - begegne der Apokalypse
Du zerrinnst unter dem schwarzen Regen
und Blumen bleiben zurück

Blumen zum Drauftreten, Blumen zum Verbrennen

Ich bin bereit für den Gott in der Hölle
Für rotes Fleisch, das meine Haut durchdringt
meine Seele zu wappnen
Für die Gruft die ich suche
Bis ich mich schwach fühle ...

Doch da ist Feuer
In meinem Herzen, in meinen Augen
In seinem Körper, in seinen Augen
Und in seinem liebenswerten Königreich


Dieser Text beschreibt die sexuelle Vereinigung mit Satan ("dem Gott der Hölle"). Offenbar fahren Jugendliche auf sowas ab: Tabubruch, Todeskult und ähnliche schwarze Auswüchse. Sinn solcher Texte mit einer Mischung aus Kanibalismus, Satanismus und Suizidverherrlichung ist es wohl, mit der radikalen Enttabuisierung gezielt die Gruppe nonkonformistischer Jugendlicher anzuziehen und zu gewinnen.
(Übersetzung und Kommentar: Marianne Kestler)



Rechtes Black-Metal-Heft mit Pornos
veröffentlicht "Niklot's" Kontaktadresse


Das Black-Metal-Heft "Love Stories - issue 1" (externer Link) vom 16.11.1999 zeigt auf der Titelseite (Bild 9) ein Foto vom Konzentrationslager Auschwitz. Darüber befinden sich zwei Engel mit Totenkopf. Unten ist ein Aufmacher zu pornografischen Texten und Fotos. Eine Rezension zu Persophones "The past of the nightside”, Seite 24, linke Spalte, enthällt die vollständige Privatadresse von Stefan P. "Greif Niklot" ist Stefan P. (Bild 10).


Bild 9
Bild 10



PERSOPHONE: "Last updated: 18 October 2003" (www.rockdetector.com)




PERSOPHONE: "Lyrical theme: paganism" (www.metal-archives.com)



Was ist Pagan-Metal?

"Hierunter versteht man eine Form des Black Metal, der in seinen Musikinhalten nordische und germanische Mythologien pflegt und auch folkloristische Elemente in den Musikstil einbaut. Besonders bei den Pagan-Metallern verwischen die Grenzen zwischen Neuheidentum und offenem Neonazismus."

Aus: "White Noise" in Gera. Eine Bestandsaufnahme
(Abschnit: "Black-Metal-Szene")
Antifaschistische Aktion Gera, Dezember 2002
http://aag.antifa.net/texte/aag/whitenoise2002.htm



Probleme mit der Aufarbeitung

Die "Greif Niklot"–Affäre zeigt, wie weit der Verfall der Moral in der GGP–Geschäftsführung vorangeschritten ist. Geschäftsführer Torsten Benz geht nicht in die Offensive, um die Vorwürfe gegen den Angestellten aufzuklären. Er schweigt dazu. Offensichtlich wartet er das Ergebnis der Staatsanwaltschaft ab. Das kann dauern. Ein Geschäftsführer der Gemeindepsychiatrie, noch dazu Vorsitzender des Landesverbandes Psychosozialer Hilfsvereine M-V e.V., der in dieser Angelegenheit so ruhig bleibt, verliert an Glaubwürdigkeit. Die "Greif Niklot"–Affäre scheint sich auf eine "verschwiegene Kameradschaft" auszuweiten. Es wird nach der Devise "Schwamm drüber" oder "Es war doch nur eine «Jugendsünde»" verfahren. Dabei agieren "beide", „Greif Niklot“ und Sozialarbeiter, mit identischer Postfachadresse - und das bis heute! Verschiedene Anbieter vertreiben die Pagan-Metal-Titel von Persophone und pflegen die archivierten Inhalte dieser (Pagan) Black-Metal-Band.

Mit der Aufarbeitung haben Benz, "Greif Niklot" & Co. offenbar Probleme.
Nicht nur damit, dazu gehört auch das in Insolvenz gegangene "Arbeitsprojekt"
in Markgrafenheide. Nachzulesen in der Lichtblick-Kritik vom 14.02.2004:
"Nach dem Scheitern der Pilzproduktion ungefragt zum nächsten Projekt?"

Roland Hartig
Redaktion Lichtblick-Newsletter




Aufklärung tut not

Wer wissen möchte, wohin Bereiche der Black Metal-Szene tendieren und bereits abgewandert sind, sollte die Neuauflage der Broschüre "Brennpunkt Esoterik – Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus“ (Hg. Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Inneres, Arbeitsgruppe Scientology) lesen. Einer der Autoren, Sektenexperte Rainer Fromm, hebt hervor: "Das gerade an den Rändern der Black Metal, Neofolk- und Dark Wave-Szene eine regelrechte Jugendsubkultur mit eigener Symbolik, Bands, Magazinen und Homepages entstanden ist, die esoterische mit rechtsextremistischer Ideologie verknüpfen dokumentiert die Dringlichkeit der Auseinandersetzung des Jugendschutzes mit diesem Phänomen."

Pädagogen, Sozialarbeiter, Eltern, Jugendliche und andere Interessierte können
die Printausgabe über die Arbeitsgruppe Scientology beziehen:

Freie und Hansestadt Hamburg
Behörde für Inneres
Arbeitsgruppe Scientology
Admiralitätsstraße 54
20459 HAMBURG

Tel. 040 - 428 86 6444
Fax 040 - 428 86 6445
E-Mail: fhhags@t-online.de

Internet: http://www.arbeitsgruppe-scientology.de
Hinweis: Download als PDF unter "Veröffentlichungen"




02.08.04

Kommentiert: Ermittlungsverfahren eingestellt


Die Staatsanwaltschaft Rostock hat das Ermittlungsverfahren gegen einen ehemaligen Musiker aus der "Pagan-Metal"-Szene wegen Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen eingestellt. Dem Beschuldigten konnte "nicht mit einer für eine Verurteilung ausreichenden Sicherheit ein strafbares Verhalten" nachgewiesen werden, heißt es in der Begründung des Staatsanwaltes vom 7. Juli 2004.

Die Vorsitzende der Familienselbsthilfe Psychiatrie M-V, Ulrike Schob, hatte im März 2004 entsprechende Vorwürfe gegen den ehemaligen "Pagan-Metaller" aus Rostock erhoben. Dabei stützte sie sich auf Informationen der Redaktion Lichtblick, wonach der heute tätige Sozialarbeiter in den 90iger Jahren unter Pseudonym "Greif Niklot" in der "Pagan-Metal"-Szene agiert haben soll.

Ein Ende der 90iger Jahre unter Pseudonym "Greif Niklot" gegebenes Interview für die Band "Persophone" bewertete die Staatsanwaltschaft als "streitgegenständlich". Verwies aber "unabhängig von der Frage" darauf, "ob der Beschuldigte sich mit seinen dortigen Äußerungen strafbar im Sinne von §§ 86a, 131 StGB gemacht hat - was vor dem Hintergrund seiner eher allgemein gehaltenen Angaben sehr fraglich erscheint - ist zu Gunsten des Beschuldigten ... davon auszugehen, daß das eigentliche Interview zu einem unbekannten Zeitpunkt vor dem 16.11.1999 stattfand und eine Straftat im Zweifel aufgrund der 5-jährigen Frist bereits verjährt ist."

Fakt ist, in diesem Interview lobt "Greif Niklot" die NS-Black Metal-Band ABSURD! Dem Interviewten scheint entgangen zu sein, dass der Gründer von ABSURD ein verurteilter Mörder ist. "Niklots" hinreichendes Loblied auf die Gruppe ABSURD stand bei der Staatsanwaltschaft offensichtlich nicht zur Debatte. Auch wohl nicht der Hinweis, dass die "beiden", "Greif Niklot" und der Sozialarbeiter bis heute mit identischer Postfachadresse auftreten! (Stand: 24.03.2004)

Die Einschätzung der Staatsanwaltschaft, "dass es sich bei 'Persophone' und dem Totenkopf-Verband eher um einen Zusammenschluss oder eine eine kameradschaftliche Zusammengehörigkeit ähnlich gesinnter Einzelpersonen handelt", trifft ins Schwarze. Der ermittelnde Staatsanwalt kam bei der näheren Betrachtung der Definition "Totenkopf-Verband" aber nicht weiter. Wie es heißt, "wegen fehlender Ermittlungsansätze". Aus staatsanwaltlicher Sicht erscheint fraglich, "daß es sich bei dem Verband um eine ernsthafte Nachfolgeorganisation des 'SS-Totenkopfverbandes' handelt". Auch wenn es dafür keine Hinweise gibt, eine Kameradschaft, die sich heute als "Totenkopf-Verband" bezeichnet, wirkt auf Außenstehende nicht unbedingt friedfertig.

Laut Staatsanwaltschaft haben die vorliegenden Texte der Band 'Persophone' "im weiteren keine strafrechtliche Relevanz". Auch der Titel "the dance of ther eternal shadows" mit den Passagen wie "in Blasphemie die Huren vergewaltigen" bzw. "für rotes Fleisch, das meine Haut durchdringt" erreicht nicht, so der Staatsanwalt, "vor dem Hintergrund der in unserer heutigen Mediengesellschaft hoch anzulegenden Meßlatte die Qualität, von der gesagt werden kann, daß es sich hierbei ...um eine evident unerträgliche Darstellung im Sinne einer grausamen ...Gewalttätigkeit gegen Menschen handelt ...".

Nach meiner Ansicht stellt die Aussage, "in Blasphemie die Huren vergewaltigen", ein herabwürdigendes Frauenbild dar. Stellt sich die Frage, ob ein solches mit den ethisch-moralischen Anforderungen eines Sozialarbeiters vereinbar ist. Und das ist nicht unbedingt eine juristische Frage.

Roland Hartig

(Staatsanwaltschaft Rostock, AZ 416 Js 7019/04, 07.07.2004)




Allgemeine Information

"Satan" als Kriegserklärung


Den Anteil des radikalen Flügels am gesamten Black- und Heavy-Metal-Bereich schätzen Experten vorsichtig auf zwei bis vier von 100 Bands. Rein musikalisch stagniert die Szene seit Jahren und "nervt", wie es viele Fans in Leserbriefen an Heavy-Metal-Magazine wie "Rock Hard" zum Ausdruck bringen. Aktuell versuchen Varg Vikernes und Co., einen Schulterschluss zwischen Black Metal, Satanismus und Neofaschismus herbeizuführen. Die Nazis und Antichristen haben offensichtlich einige Gemeinsamkeiten. "Das Elitedenken steht ganz oben", beobachtet der Politologe Rainer Fromm. Sowohl Nazis als auch Satanisten wollten einer außerordentlichen Gemeinschaft angehören. Hinzu kämen die ähnlichen Feindschemata: die Unterscheidung in lebenswerte und lebensunwerte Wesen. Auch das geringschätzige Frauenbild spiele eine Rolle. Während bei Nazis die Frau als Gebärmaschine gelte, müsse sie beim Satanismus als "Gebrauchsgegenstand" für Rituale herhalten, so Fromm.

Ob diese Vernetzung allerdings gelingen wird, ist unter Experten sehr umstritten. Denn die rechte Szene huldigt eher neuheidnischen und esoterischen Denkmustern, in denen Satanisten als Spinner gelten.

Quelle: Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.
Skeptiker 3/2002, siehe unten





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