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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 28.11.2003


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12.11.03

Wenn aus Spiel Ernst wird - Tagungsbericht zu Spielsucht

Neue Gefahren im Internet

Von ddp-Korrespondent Dirk Sellmann

Saarbrücken (ddp). Das Tageslicht ist gedämpft. Die Chips klappern leise und gleichmäßig. Mit ruhiger Stimme leiten die Croupiers an den Tischen die Spiele, schieben Gewinne über das Filz. Das gediegene Spiel mit den Karten und Kugeln hat aber auch seine Schattenseiten. Nach Schätzungen des Gesundheitsministerium sind im Saarland 1000 bis 1200 Menschen spielsüchtig. In der Spielbank Saarbrücken diskutierten am Mittwoch Experten auf einer Fachtagung über das Problem.

Gesundheitsministerin Regina Görner (CDU) appellierte auf der Tagung an die Verantwortlichen, wer am Glücksspiel verdiene, der müsse auch den Spielsüchtigen helfen. Das heiße in erster Linie mehr Aufmerksamkeit an den Tischen und Automaten. Auffällige Personen sollten angesprochen und ihnen Hilfen angeboten werden. Die Ministerin versprach, die Landesregierung wolle die Aufklärung verbessern - gerade auch bei den Jugendlichen.

Allerdings, räumte Görner zugleich ein, bewege sich der Staat beim Glücksspiel in einem "Spannungsfeld". Einerseits sei Glücksspiel nicht erwünscht, andererseits veranstalte der Staat dieses Spiel und verdiene daran. Dies sei aber zu rechtfertigen, denn die Spielbanken böten einen gewissen Schutz vor der illegalen "Abzocke" privater Anbieter. Die Einnahmen kämen zudem gemeinnützigen Zwecken zugute. Doch gerade wegen dieser Widersprüchlichkeit seien die Spielbanken gefordert, ihre Aufmerksamkeit noch zu erhöhen, verlangte die Ministerin.

Neue Spielsucht-Gefahren lauern nach Einschätzung der Fachleute vor allem im Internet. Dort würden verstärkt Glücksspiele angeboten. Ministerin Görner räumte ein, dass diese schwer zu kontrollieren seien. Dennoch forderte sie eine Prüfung von gesetzlichen Maßnahmen, um die Menschen besser zu schützen.

Harsche Kritik an den Spielbanken übte Hartmut Görgen von der Psychosozialen Beratungsstelle in Saarbrücken. Er nannte die feinen Salons eine "Ästhetisierung des Elends". Das Ambiente täusche über die Gefahren des Spiels hinweg. Man dürfe nicht vergessen, dass durch die Spielsucht Familien und Firmen in den Ruin getrieben würden.

Konkret führte er den Fall eines Prokuristen an, der eine Scheinfirma gegründet habe und dieser Gelder aus den Kassen seines Arbeitgebers überwiesen habe. "Der Mann ist völlig verzweifelt, da er weiß, dass er in ein bis zwei Wochen auffliegt", sagt Görgen. Der Berater kritisierte ein Missverhältnis der wachsenden Einnahmen des Staates aus dem Glücksspiel und den Finanzproblemen der Beratungsstellen. Er regte daher eine Erhöhung der Vergnügungssteuer an, um die Therapie zu verbessern.

Der Chef der Saarland Spielbanken, Alfons Ewen, forderte hingegen einen Verbund aller Anbieter von Glücksspielen. Denn die bundesweiten Sperren in Spielbanken "verpuffen", solange in Spielhallen nicht kontrolliert werde und "in allen Kneipen Automaten hängen". Im Saarland würde pro Tag etwa ein Spieler gesperrt, bundesweit seien es 10 000 pro Jahr. Dies geschehe auf eigenen Antrag, oder auf Hinweise von Kliniken oder Familienmitgliedern.

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