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Von Stephanie Stallmann
Berlin (ddp). Nach einem Jahr Gesundheitsreform ist Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) mit den Ergebnissen zufrieden und plant weitere Veränderungen. Dazu stellte sie am Mittwoch in Berlin das erste bundesweite Hausarzt- und Hausapothekermodell vor, mit dem sie die integrative Versorgung vorantreiben will. Der Vertrag zwischen dem Deutschen Hausärzteverband, dem Deutschen Apothekerverband und der Barmer Ersatzkasse soll Doppeluntersuchungen vermeiden und die Arzneimittelsicherheit erhöhen. Der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Maximilian Zollner, bezeichnete das Modell allerdings als den "größten Bluff des Jahres".
Mit dem Hausarzt- und Hausapothekermodell soll die "Lotsenfunktion" des Hausarztes ausgebaut werden. Dazu schreibt sich der Patient bei seinem Hausapotheker ein, der alle ausgegebenen Arzneimittel an den Patienten dokumentiert. Dadurch fungiere der Apotheker als "Schutzengel in Arzneimittelfragen" und als Garant für Medikationssicherheit, sagte Eckart Fiedler vom Barmer-Vorstand.
Jährlich sterben laut Fiedler bis zu 25 000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer negativen Arzneimittelwechselwirkung, weil Arzt und Apotheker keine Kontrolle darüber hätten, welche Medikamente ein Patient einnimmt. Mit dem Hausapothekenmodell will Barmer die Arzneimittelsicherheit deutlich verbessern und die Arzneimittelausgaben um 15 Prozent senken. Als Anreiz müssen Versicherte jährlich nur noch einmal die Praxisgebühr von 10 Euro für ihren Hausarzt zahlen.
Schmidt ist überzeugt, dass solchen Modellen, die Qualität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit verbinden, "die Zukunft im Gesundheitssystem gehören wird". Die Strukturen müssten so umgebaut werden, dass jeder Euro zielgerichtet für Qualität und Effizienz ausgegeben werde, betonte sie. Damit würden die "Verkrustungen, die zweifelsohne im deutschen Gesundheitssystem massiv vorhanden sind" aufgebrochen. Schmidt forderte alle auf, "stärker von den neuen Möglichkeiten Gebrauch zu machen".
Der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands kritisierte das Modell scharf. "Der Patient gibt für den billigen Köder von zwei oder drei Praxisgebühren sein Recht auf freie Arztwahl auf und hat keinerlei erkennbaren Vorteil daraus", rügte Verbandschef Zollner. Für die Patienten werde das medizinische Handeln damit zusehends "zu einer von den Krankenkassen gelenkten Medizin". Auch der neue Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, betonte, die Möglichkeit, seinen Hausarzt und seinen Facharzt frei zu wählen, müsse erhalten bleiben.
Die CDU kritisierte Schmidt dafür, dass die erwarteten Beitragssenkungen bisher nicht stattgefunden hätten. "Wir müssen noch abwarten, ob das Hausarztmodell zu Einsparungen führt", sagte der CDU-Gesundheitsexperte Andreas Storm. Dafür sei eine seriöse Auswertung wichtig. Grundsätzlich begrüßte er allerdings das Modell, in dem der Hausarzt ein Lotse für den Patienten ist, der ihn durch das Gesundheitssystem leitet. Längerfristig müsse aber Wettbewerb herrschen. "Auf der einen Seite das Hausarztmodell mit niedrigeren Beiträgen und Praxisgebühren und auf der anderen Seite weiterhin freie Arzt-Wahl - mit dementsprechend höheren Sätzen", sagte er.
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