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Marburg (ddp). Ein Blick ins Supermarktregal weist den Trend: Von antibakteriellen Putz- und Spülmitteln bis hin zur antibakteriellen Zahncreme ist alles zu haben. Doch übertriebene Hygiene behindert entscheidende Lernschritte, die unser Immunsystem zur Stärkung braucht, warnt Professor Eiko Petersen, Leiter der Abteilung für Infektiologie der Universitäts-Frauenklinik Freiburg. Desinfektionsmittel für die Wäsche und zum Putzen sind laut Petersen ebenso überflüssig wie eine übertriebene Genitalhygiene.
Am meisten übertrieben wird nach Darstellung des Experten bei der Körperpflege: Zu häufiges Duschen, Baden und Waschen entzieht der Haut Fett und Feuchtigkeit. Der wichtige Säureschutzmantel und die Hautflora werden zerstört. Oft ist dies die Ursache von Hautkrankheiten.
Bei normaler Verschmutzung reicht Duschen mit einfachem Wasser, empfiehlt Petersen. Bei der täglichen Körperreinigung muss nicht der ganze Körper eingeseift werden: Eine gründliche Reinigung der "Tropenregionen" wie Achselhöhlen, Intimbereich und Füße genügt zumeist. Waschen mit Seife entfernt 90 bis 95 Prozent der oberflächlichen Mikroorganismen! Daher sollte mit Seife sparsam umgegangen werden. Syndets oder milde Duschbäder gehen zudem schonender mit dem Säureschutzmantel um als Seifen.
Auch im Haushalt braucht es aus Sicht des Mediziners kein "Waffenarsenal" gegen Schmutz und Bakterien. Für den normalen Hausputz reichen harmlose und wirksame Reiniger wie Essig, Spülmittel und Neutralseife völlig aus. Vor allem antibakterielle Produkte wirken nicht besser als herkömmliche Reiniger. Stattdessen fördern sie die Entstehung von Allergien, schwächen das menschliche Immunsystem und belasten die Umwelt.
Das gilt erst recht für Desinfektionsmittel. Desinfektionsmaßnahmen im Bad- und Sanitärbereich sind nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich, wie Petersen betont. Sie vernichten die für unser Leben nützlichen Mikroorganismen, führen zu Resistenzen bei krankheitsverursachenden Bakterien und können damit das menschliche Immunsystem schwächen, da es ohne Bakterien nicht ausreichend stimuliert wird.
Selbst auf der heimischen Toilette ist die Angst vor Ansteckungen unbegründet, denn Krankheitserreger gehen außerhalb des Körpers schnell zugrunde. Essigreiniger oder Zitronensäure zur Badreinigung genügen vollkommen, um ein Frischegefühl ins Örtchen zu zaubern.
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