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Das Wort Schizophrenie bedeutet übersetzt "gespaltenes Bewusstsein". Damit ist aber nicht eine Spaltung der Person gemeint, sondern das derjenige die Umwelt und sich selbst nicht mehr als zusammengehörig erlebt. Die Schizophrenie ist eine schwere aber heutzutage gut behandelbare psychische Erkrankung. Der Krankheitsverlauf und ihr Erscheinungsbild sind sehr verschieden. Die Erkrankung kann z.B. einmalig im Leben auftreten und dann ausheilen oder sie kann zu lebenslangen Störungen und Behinderungen führen. Dabei ist nicht die Intelligenz betroffen aber die Fähigkeit sich zu konzentrieren, sich ausdauernd mit einer Tätigkeit zu beschäftigen, störungsfrei mit anderen Menschen zu reden, die Umwelt, die Menschen und die alltäglichen Dinge deutlich und klar wahrzunehmen.
Schizophren Erkrankte hören z.B. Stimmen, sehen Personen oder Dinge die in der Wirklichkeit gar nicht existieren. Dies kann bei den Betroffenen und Angehörigen zu großen Ängsten führen. Manche Erkrankte fühlen sich bedroht, sie glauben ständig beobachtet und verfolgt zu werden. Andere glauben eine bedeutende politische oder religiöse Persönlichkeit zu sein bzw. übermenschliche Kräfte oder Fähigkeiten zu besitzen. Befindet sich der schizophren Erkrankte in einer akuten Phase, d.h. er ist im Moment ganz schwer krank, dann kann der Betroffene nicht oder kaum erkennen was mit ihm passiert. Er ist dann oft kaum in der Lage Hilfe oder einen Rat anzunehmen und benötigt dann unbedingt Hilfe in einem psychiatrischen Krankenhaus. Dort erhalten psychisch akut Erkrankte dann Medikamente, sogenannte "Neuroleptika". Diese helfen dem Betroffenen sich und die Umwelt wieder deutlicher und realistischer zu erleben und die oft sehr belastenden Störungen, wie Stimmen hören und Wahngedanken, einzudämmen bzw. zu beseitigen.
Weshalb ein Mensch an einer Schizophrenie erkranken kann, darüber gibt es folgende Erklärung. Man geht heute davon aus, dass mehrere Faktoren zur Erkrankung führen können, z.B. äußere persönlich belastende Umstände (starker Stress, belastende Lebensereignisse) in Verbindung mit biochemischen Veränderungen im Gehirn und einer besonderen angeborenen Empfindsamkeit gegenüber Belastungen.
Regelmäßige Besuche beim Facharzt, Einnahme der verordneten Medikamente, ein geregelter Tagesablauf (Arbeit, Tagesstätte) und verständnisvolle Mitmenschen können dazu führen, dass es den psychisch Erkrankten allmählich wieder besser geht und das sie trotz Diagnose "Schizophrenie" ein zufriedenes Leben führen können.
Ilona Wißmann
Dipl. Psychologin
Leben mit einer Schizophrenie
Das Interview
Die Redaktion Regenbogen im Gespräch mit Frau B.
Frau B.: Ich heiße Sylvia B. bin Jahrgang 59. Bis zu meinem 7. Lebensjahr war ich bei meinen Eltern und dann bin ich ins Heim gekommen, weil meine Eltern mit sich Probleme hatten und mit der Erziehung von uns 13 Kindern. Die meisten von meinen Geschwistern kamen ins Heim.
Eingeschult wurde ich mit sieben Jahren, zu der Zeit lebte ich schon in einem Heim. Dort war ich mit meiner Schwester und einem Bruder, der wurde aber adoptiert, ich habe nichts mehr von ihm gehört.
In der 2. Klasse bin ich wieder in ein anderes Heim gekommen und habe dort eine andere Schwester von mir kennen gelernt, aber auch dort durfte ich nicht lange bleiben. Heute habe ich nur noch Kontakt zu zwei Schwestern.
Mit neun Jahren bekam ich Pflegeeltern für zwei Jahre, habe aber leider keinen Kontakt mehr zu ihnen. Ich hatte große Kontaktschwierigkeiten, brauchte immer lange um mit jemandem warm zu werden.
Durch den ständigen Schulwechsel hatte ich Schwierigkeiten mit dem Lernen. Ich konnte mich schlecht konzentrieren. Schule hat mir keinen Spaß gemacht. Aber ich kann schreiben und habe viel gelesen.
Nach Abschluss der 8. Klasse nahm ich eine Lehre zum Agrotechniker auf und lebte in einem Internat. Da ich Angst vor der Fahrerlaubnis hatte, brach ich nach 2 Jahren die Lehre ab. Eigentlich wollte ich Kindergärtnerin oder Köchin werden. Dann arbeitete ich 13 Jahre in einer Wäscherei und als Stationshilfe in einem Altenheim.
Regenbogen: Ab wann merkten Sie, dass Sie psychisch krank sind?
Frau B.: Als das Heim aufgelöst wurde und ich nach Teterow kam, fing es mit den Stimmen an. Dort war ich arbeitslos und habe den Tag zur Nacht gemacht. Ich sah und sehe bekannte Personen und höre ihre Stimmen. Sie sagen mir, was ich tun soll. Ich zog mich immer mehr zurück, bin kaum noch in die Stadt gegangen.
Empfinden Sie die Gestalten die durch ihre Krankheit entstehen als Wirklichkeit oder als Halluzinationen (Wahnvorstellungen)?
Frau B.: Ich wusste, das alles passiert durch meine Krankheit, das ist mir schon klar. Ich spreche viel mit meiner Ärztin darüber. Im Wohnheim aber auch in der Werkstatt sagen einige, dass ist nur Einbildung aber das ist meine Krankheit. In Teterow habe ich z.B. für eine Mitarbeiterin des Sozialamtes nachts Kaffee gekocht, weil ich sie gesehen habe und sie Kaffee haben wollte, es war aber nur meine Einbildung. Ich wusste nicht mehr ob es Tag oder Nacht ist.
Und wann sind Sie das erste Mal zum Arzt gegangen?
Frau B.: 1994 war ich das erste Mal bei einer Fachärztin der Psychiatrie, als ich hier in ein Heim nach Güstrow kam. Hier bin ich 1995 auch das erste Mal in meinem Leben in den Urlaub gefahren.
Wie hat es Ihnen im Heim gefallen?
Frau B.: Im Heim habe ich mich wohl gefühlt, da konnte ich viel backen und kochen. Und wenn ich mein Zimmer nicht aufgeräumt hatte, wurde mir von meinem Betreuer Ballett gemacht.
Und wie gefällt es Ihnen nun in Ihrer ersten eigenen Wohnung?
Frau B.: Gut, ich freue mich, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme. Schlimmer wird es, wenn Betriebsferien sind. Da sitze ich nur vor dem Fernseher und trinke viel Kaffee. Ich höre aber auch gerne bei Kerzenlicht Entspannungsmusik.
Nur die Bilder und Stimmen aus der Werkstatt, die mich nachts nicht schlafen lassen nerven. Sie machen mir aber keine Angst, weil ich die Leute kenne. Manchmal sagen sie aber auch: "Wir werden dich schon unterkriegen." und "Du hast nicht mehr viel zu lachen." Dann gehe ich zu meiner Ärztin und diese verschreibt mir gegen die Stimmen Tabletten.
Schlimmer wird es immer, wenn Betriebsferien sind.
Sie haben jetzt einen vom Amtsgericht eingesetzten Betreuer?
Frau B.: Ja, für drei Jahre. Er macht Ämter/Behörden und Finanzen, weil ich mit manchen Dingen nicht so zurechtkomme. Ich habe eine Chipkarte, hole jede Woche 50 Euro und kaufe davon ein.
Und dann erhalten Sie noch Hilfe von Mitarbeitern des Ambulant Begleiteten Wohnens?
Frau B.: Ja, man hilft mir im Haushalt, beim Einkaufen und unterhält sich mit mir, damit ich alles in meiner Wohnung schaffe. Mit den anderen Besuchern der Begegnungsstätte möchte ich mal Ausflüge machen.
Was haben Sie noch für Wünsche?
Frau B.: Ich möchte das die Stimmen aufhören und die Bilder verschwinden.
Anmerkung: Der Name ist von der Redaktion geändert.
Zeitschrift "Der Regenbogen"
Güstrower Werkstätten -
Einrichtungen für Menschen
mit Behinderungen gGmbH
Werkstatt "Am Sonnenplatz"
Schondorfstr. 3
18273 Güstrow
http://www.puzzlez.de

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