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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.02.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2004)

26.01.04

Geteiltes Echo auf Hausarztmodelle

ddp
VdK und Schmidt begrüßen Pläne - Mediziner dagegen
Keine Ausnahmen für Beamte bei den Zuzahlungen

16:58 Uhr

Von Thorsten Severin

Berlin (ddp). Die Ankündigung einzelner gesetzlicher Krankenkassen, ihren Versicherten beim Einschreiben in ein Hausarztmodell die Praxisgebühr erlassen zu wollen, stößt überwiegend auf ein positives Echo. Sollten sich die DAK und die Techniker Krankenkasse mit ihrer Initiative durchsetzen, entfalle ein wichtiger Kritikpunkt an der Gesundheitsreform, sagte der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, am Montag. Es sei ein Fehler gewesen, dass sich Rot-Grün beim Gesundheitskompromiss dem Druck von CDU und CSU gebeugt habe, das Hausarztmodell nicht verpflichtend in das Reformpaket aufzunehmen.

Der Ärzteverband Hartmannbund lehnt Hausarztmodelle allerdings ab. "Krankenkassen tun den Patienten keinen Gefallen, wenn sie diese dazu drängen, im Krankheitsfall zuerst ihren Hausarzt aufzusuchen", sagte der Vorsitzende, Hans-Jürgen Thomas. "Wenn man alles auf den Hausarzt fokussiert, werden die Wartezimmer noch voller und die Wartezeiten noch länger." Es gebe viele Fälle, in denen es sinnvoll sei, dass jemand direkt zum Facharzt gehe. Die freie Arztwahl dürfe nicht durch falsche Anreize wie den Wegfall der Praxisgebühr unterhöhlt werden, sagte Thomas.

Der Vizevorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Hans-Martin Hübner, befürchtet eine Aushöhlung der ambulanten Versorgung zu Lasten der Fachärzte. Mittels Köder sollten die Patientenströme zu den Fachärzten ausgetrocknet werden. Das macht das System nicht billiger, sondern teurer, sagte er. Jeder sechste Patient suche bewusst zuerst den Facharzt auf. Gingen diese künftig zunächst zum Hausarzt, seien Doppeluntersuchungen unausweichlich und der Hausarzt werde überlastet, sagte Hübner weiter.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) begrüßte hingegen, dass einige Krankenkassen endlich die Möglichkeiten der Gesundheitsreform nutzen und ihren Versicherten Hausarztmodelle anbieten wollen.

Die ursprünglich von Rot-Grün geplante generelle hausarztzentrierte Versorgung war den Konsensverhandlungen mit der Opposition zum Opfer gefallen. Kassen können nun eigenverantwortlich entscheiden, ob sie ihren Patienten auf freiwilliger Basis derartige Modelle anbieten. Schmidt verwies auf die Vorteile dieser Versorgungsform: Der Hausarzt habe den Überblick über den Gesundheitszustand des Patienten, Doppeluntersuchungen und negative Effekte von nicht abgestimmten Medikamentenverordnungen würden vermieden.

Derweil plant das Bundesinnenministerium, dass auch Beamte künftig komplett die neue Praxisgebühr zahlen müssen. Ministeriums-Sprecher Rainer Lingenthal verwies auf die Änderung der Beihilferichtlinie, die intern in seinem Haus bereits verabschiedet sei. Auch Beamte mit einer Mindestversorgung (1266 Euro West; 1128 Euro Ost) sollen demnach künftig die Praxisgebühr zahlen, wodurch diese mit Sozialhilfeempfängern absolut gleichgestellt würden. Zurzeit sind Beamte mit geringen Einkommen, die eine Mindestversorgung erhalten, von Zuzahlungen befreit. Darunter fällt auch die Praxisgebühr. Lingenthal rechnet damit, dass die neue Verordnung in wenigen Tagen rückwirkend zum 1. Januar in Kraft gesetzt wird.




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