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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.02.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2004)

27.01.04

Sachsen-Anhalt: Die Volkssolidarität leidet unter knappen Kassen

ddp
Ohne Ehrenamt kein Blumentopf zu gewinnen
Einschnitte bei ABM belasten

10:50 Uhr

Von ddp-Korrespondent Klaus-Peter Voigt

Magdeburg (ddp-lsa). Ohne Ehrenamtliche stünden viele Projekte der Volkssolidarität in Sachsen-Anhalt vor dem Aus. Die Leistungen von 6000 Frauen und Männer im Hintergrund seien nicht mit Geld aufzuwiegen, sagt Landesgeschäftsführer Burkhard Steinäcker. Telefon- und Fahrkosten oder der Blumenstrauß zum rund Geburtstag würden oft aus der eigenen Tasche beglichen. Zudem fehle nach wie vor eine staatliche Anerkennung für die vielfache Hilfsbereitschaft in der Freizeit.

Steinäcker nennt die knappen Kassen als ein Hauptproblem für die kommenden Jahre. Kommunen bringen für freiwillige Leistungen immer weniger Geld auf. Oft bereitet es den Ortsgruppen schon Mühe, die Betriebskosten für die beispielsweise 77 Begegnungsstätten der Volkssolidarität in Sachsen-Anhalt aufzubringen. Die Situation ist so dramatisch wie noch nie nach der Wende. Knapp zehn Senioren-Begegnungsstätten wurden seit Ende der 90er Jahre bereits geschlossen, für weitere steht die Zukunft unter keinem guten Stern. Die Entwicklung geht mit Kürzungen bei ABM-Projekten einher. Zeitweise waren durch sie 750 Mitarbeiter angestellt. Gegenwärtig sind es gerade einmal 300, zeigt sich Steinäcker pessimistisch. Die 1500 Festangestellten könnten auf Dauer nicht alle Aufgaben allein übernehmen.

Gerade die Seniorentreffs haben sich zur vielerorts einen guten Namen gemacht. Sie seien mehr als nur der Klub für den gemeinsamen Kaffeenachmittag, sagt Steinäcker. In ihnen erhalten die älteren Mitbürger oftmals ihr warmes Mittagessen. Es werden Computerkurse, Ausflüge oder Sportnachmittage angeboten. Interessengemeinschaften laden zu gemeinsamen Wanderungen ein, man singt im Chor. Der Bedarf an solchen Angeboten werde steigen, erläutert der Landesgeschäftsführer mit Blick auf die demografische Entwicklung vor allem in den neuen Bundesländern.

Die Seniorentreffs sind traditionell die Hochburg der Volkssolidarität. Die Wohlfahrtsorganisation hat nach 1989 ihre Lebensfähigkeit bewiesen. Im Gründungsjahr 1945 noch mit breitem Angebot wie eigenen Krankenhäusern und Kinderheimen wurde das "Sozialwerk" ab 1952 in staatliche Trägerschaft überführt. So blieben zu DDR-Zeiten die Betreuung der Rentner einschließlich der Hauswirtschaftspflege und des Mahlzeitendienstes. Nun geht es an die alten Wurzeln zurück. "Die Aufgaben sind vielfältiger geworden", sagt Steinäcker. Der Start von Null auf Einhundert sei trotz vieler Schwierigkeiten gelungen. Im Gegensatz zu anderen Organisationen fehlte der Volkssolidarität ein Partner im Westen. Es gibt für sie keine institutionelle Förderung.

Schmerzlich war in diesem Jahr eine Steigerung der Mitgliedsbeiträge von einen auf zwei Euro. Fast die Hälfte dieses Geldes bleibt quasi an der Basis, kann für Vorhaben in den Ortsgruppen verwendet werden. 250 000 Euro flossen im vergangenen Jahr aus der traditionellen Haus- und Straßensammlung in die Unterstützung der Begegnungsstätten. Mehr Mitglieder sind für die kommenden Monate angepeilt. Dazu werden "Klinken geputzt". Auf diese Weise sei in Magdeburg allein ein Zuwachs von über 200 erreicht worden, sagt Steinäcker. Eine solche Verjüngungskur nennt Steinäcker unverzichtbar. 80 Prozent alle gegenwärtig 70 000 Mitglieder in Sachsen-Anhalt sind mehr als 60 Jahre alt.




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