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07:30 Uhr
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Von ddp-Korrespondentin Susanne Wächter
Köln (ddp-nrw). "Heute gibt es Rohkost. Wer schneidet die Möhren?", fragt Torsten Langner, Diplomand an der Deutschen Sporthochschule in Köln und Projektmitarbeiter bei "Step Two", einem Aktiv- und Präventiv-Programm für übergewichtige Grundschulkinder. In der Küche der Nikolaus Grundschule im Kölner Vorort Zollstock drängen sich derweil Erst- und Zweitklässler um den Küchentisch. Das Projekt ist neu und eines von nur wenigen in NRW, bei denen dem Fett zu Leibe gerückt werden soll.
Die Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn sind alarmierend. Danach sind elf Prozent aller Jungen und Mädchen zwischen 6 und 17 Jahren übergewichtig. Der Arzt Thomas Reinher von der Vestischen Kinderklinik in Datteln und Leiter des Programms "Obeldicks" für übergewichtige Kinder, "Obeldicks", bringt es auf den Punkt: "In den letzten zehn Jahren haben wir einen Anstieg der Übergewichtigen festgestellt. Dabei sind die Dicken doppelt so dick wie früher."
Experten vermuten, dass jedes siebte Kind nicht das Normalgewicht auf die Waage bringt. "Das hat erhebliche Folgen für den Gesundheitszustand. Wir haben zum Beispiel bei zur Zeit fünf Kindern, die bei uns geschult werden, Alterszucker festgestellt. Normalerweise leiden darunter nur ältere Menschen", erklärt Reinher. Auch Herz-Kreislaufstörungen sowie der gesamte Bewegungsapparat würden durch übermäßiges Gewicht dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen.
Über die Gründe streiten sich die Gelehrten: Die leitende Projektmedizinerin Christine Graf verweist auf den allgemeinen Bewegungsmangel, der sich vor allem in der reduzierten Alltagsbewegung zeige. "Viele Kinder werden ja nur noch mit dem Auto gefahren, statt dass sie zu Fuß gehen. Auch Spaziergänge mit den Eltern haben abgenommen." Hinzu käme das Hocken vor Computerspielen und dem Fernseher. Ist erst einmal eine gewisse Grenze erreicht, stellen Fachleute fest, dass sich die Kinder immer weiter zurückziehen und sich noch weniger bewegen. So kann aus einem leichten Übergewicht eine regelrechte Fettleibigkeit (Adipositas) werden.
Die Kölner Grundschule ist eine von insgesamt vier Schulen im Kölner Gebiet, die an dem von der Deutschen Sporthochschule initiierten Projekt teilnehmen. Hier lernen die Kinder an je zwei Tagen in der Woche alles über gesunde Kost und sportliche Bewegung. Über Dicksein wird unter den Kindern nicht viel gesprochen. Wohl aber über die richtige Ernährung. An der Wand hängt die Kinder-Ernährungs-Pyramide. "Mario, erzähl mir mal, was die Ampelfarben dort bedeuten", fordert Christine Graf den achtjährigen Jungen auf. Rot steht zum Beispiel für Pommes und Schokolade, zu Geld gehören Getränke wie Cola oder Süßspeisen und unter Grün fallen Obst und Gemüse.
"Das schmeckt bestimmt lecker", meint der zehnjährige Sutki und vermengt Quark mit hauchdünnen Möhrenraspeln. Sutki gehört zu den Kindern, denen man es ansieht, dass sie zu viel Kilos mit sich herumtragen. Obwohl er nach eigenen Angaben Sport am liebsten mag, Pommes aber eben auch. Durch "Step Two" hat er gelernt, dass es auch anders geht. Zum Beispiel mit leckeren kalorienarmen Pommes. "Die machen wir selber aus frischen Kartoffeln. Die werden mit wenigen Tropfen Öl auf ein Blech in den Ofen geschoben und knusprig gebacken, anschließend streuen wir noch ein wenig Paprika darüber", erklärt Petra Rossberg von der Sporthochschule.
Nach dem Essen, das immer nur als Snack gedacht ist, begleitet Sportlehrerin Susanne Göpfert die erste Gruppe in die Turnhalle. Dort machen die Kinder Bewegungsspiele wie Völkerball, Staffelläufe und Brennball. Das Zusammenspiel von gesunder Ernährung und Bewegung lernen aber nicht nur die Kinder. An speziellen Elternabenden werden auch die Erziehungsberechtigten in das Projekt eingebunden.
www.dshs-koeln.de, www.powerkids.de (Selbstlernprogramm für Kinder von der AOK)
www.bethesda.de (Adipositas Zentrum Duisburg)
www.a-g-a.de (Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter)
www.kinderklinik-datteln.de (Programm Obeldicks)
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