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19:02 Uhr
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Von Michael Wojtek
Berlin (ddp). Der Präsident des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Synthélabo, Jean-François Dehecq, hat sich über die Widerstände in Deutschland wegen des Übernahmeangebots für Aventis verwundert gezeigt. Berichte über Entlassungen in Deutschland in großem Stil seien "einfach nicht wahr und auch nicht logisch", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Am Standort Deutschland sei sowohl die Forschung als auch die Produktion sehr wichtig. Sein Bestreben sei vielmehr, "das Erbe von Hoechst für die Zukunft zu nutzen".
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte am Mittwoch im Anschluss an eine Kabinettssitzung gesagt, er habe die Sorge, dass die von Sanofi durch eine Übernahme erhofften Synergieeffekte letztlich Arbeitsplätze auf deutscher und französischer Seite kosten könnten, sagte Clement. Berlin werde daher das "Erforderliche" und "Mögliche" tun, um seine Interessen deutlich zu machen. Diese Interessen seien "sehr ernsthaft" und er gehe davon aus, dass dies auch entsprechend "gewürdigt und gewertet" werde.
Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, riet Aventis derweil, ein eigenes Übernahmeangebot für Sanofi-Synthélabo vorzulegen. "Mit Sicherheit ist es nicht die schlechteste der Möglichkeiten", sagte Schmoldt der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe). Mit einem solchen Angebot "würde die Basis für eine faire Gesprächsbasis geschaffen", ergänzte der Gewerkschafter. Um eine feindliche Übernahme durch Sanofi abzuwehren, hält es Schmoldt ferner für denkbar, dass sich Aventis mit einem anderen Partner verbündet oder mit Sanofi eine Fusion unter Gleichen anstrebt.
Zugleich kritisierte Schmoldt die französische Regierung. Sie wolle zu Lasten des Standortes Deutschland einen französischen Weltkonzern im Pharmabereich schaffen. "Das halte ich für nicht akzeptabel, und das kann sich auch die deutsche Politik nicht bieten lassen", so Schmoldt.
Der Gewerkschafter bestätigte, dass er über den Fusionsvorgang mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Wirtschaftminister Clement im Gespräch sei. "Wir freuen uns, dass wir im Kanzler einen verständigen Ansprechpartner gefunden haben", wird der Funktionär zitiert. Bei Aventis handele es sich um das größte deutsche Forschungsunternehmen in der Bio- und Gentechnologie. Dieser Bereich liege dem Kanzler am Herzen, so Schmoldt.
Aventis, das 1999 aus der Fusion der Frankfurter Hoechst AG mit Rhone-Poulenc hervorging, hat seinen Sitz in Straßburg. Die Chemieaktivitäten von Hoechst wurden zu einem Großteil von der Celanese AG weiter geführt. Die deutsche Landesgesellschaft, die Aventis Pharma Deutschland GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main, beschäftigt nach eigenen Angaben rund 9000 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von rund 2,9 Milliarden Euro.
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