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Von Thomas Greve
Zur Einleitung
Mein Name ist Thomas Greve. Ich wurde am 14. Dezember 1970 in Gera geboren. Mein Lebenslauf wäre mit Sicherheit in den 90-iger Jahren, also kurz nach der politischen Wende in Deutschland, anders verlaufen, gäbe es da nicht jene unsägliche Zeit der erlebten Psychosen. Sie bauten sich unverhofft und unerwartet vor mir auf, verwehrten mir den erhofften beruflichen Erfolg, schlugen Türen zu, die sonst für mich geöffnet waren. Als Teenie hatte ich Träume und Hoffnungen wie tausend andere auch. Ich hatte Talent und Begabungen und eine Vielzahl guter Ideen, die ich möglichst alle und rasch verwirklichen wollte. Ich wollte Karriere machen.
Nun stand ich da, ein Haufen Elend, deprimiert, weil alles, was ich getan hatte, sinnlos erschien, es war umsonst - und ich wurde depressiv, weil kein Ausweg erkennbar war. Was nun?
Das notwendige Schlucken der Pharmazeutika tat ein übriges: ständig nahm ich an Gewicht zu, was dazu führte, dass ich schließlich auf keine normale Personenwaage mehr gehen konnte ohne zu befürchten, dass diese den Geist aufgeben würde. Sie machten müde, depressiver als gewöhnlich und sie riefen Suizidgedanken hervor.
Erschreckt war ich darüber, dass meine sexuellen Regungen kaum noch vorhanden waren. Der Anblick eines wunderschönen Mädchens sagte mir gar nichts. Später habe ich nur noch die traurige Erfahrung machen müssen, dass es verdammt schwierig ist, eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen. Hatte mich nicht das Schicksal schon genug damit bestraft, dass ich krank war und viel Mühe und Geduld aufbringen musste, um wieder ins Leben zurück zu kehren? Was ist letztendlich ein Leben ohne Liebe? Ich hoffe, ich finde mein Glück, meine Liebe - und ich kann, was ich mir sogar sehr stark wünsche, einmal eine Familie aufbauen.
Irgendwann also kamen klare Gedanken, da dachte ich an meine Eltern, die übrig gebliebenen Freunde, an mich selbst. Ich hörte die Aufmunterungen, das Mut machen meiner Eltern und meiner Schwester. Und dann, von Zeit zu Zeit, ging es voran, in kleinen Schritten nur, aber da war sie plötzlich wieder, die Lust aufs Leben!
Ich fühlte Lebensmut und Tatendrang, wollte anderen und mir selbst beweisen, dass ich wieder etwas Sinnvolles tun kann.
Mein Weg, den ich von da an beschritt, ist von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Aber er zeigt auch ganz deutlich eine Tendenz: Es ist möglich mit der Krankheit zu leben und dennoch laufend Fortschritte bei der Reintegration in die Gesellschaft zu machen. Mein Bericht darüber ist kein Wegweiser für jedermann aber er sollte all jenen Mut machen, die ebenso wie ich mit dieser Krankheit leben müssen, die unentschlossen und träge, die noch dabei sind, ihr eigenes Ich zu entdecken. Es lohnt sich!
Und all den "Gesunden" sollte der Beitrag sagen: Ihr habt es nicht mit "Geistesgestörten" zu tun, die, wie früher geschehen, hinter Schloss und Riegel gesperrt werden müssen, sondern mit Menschen, die sich dank des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritts heute wieder in die Gesellschaft "zurückmelden" und sehr wohl in der Lage sind, ihren Tagesablauf selbst zu bestimmen und darüber hinaus auch viele nützliche Arbeiten für die Gesellschaft zu verrichten. Helft mit, Vorurteile, Stigmen gegen all jene abzubauen, die nach Psychosen oder Depressionen neu ins Leben starten - baut stattdessen Brücken! (Ausszug)
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